Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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72 Wir kommen zu einem andern Jneidenzpunkte. Als Burg im Jahre 1832 zunl Hauptmann befördert wurde, mußte er auf Befehl des Königs schwarze Epauletten, so wie sie von den Hauptleuten des Zeugwesens getragen werden, anlegen. Er selbst, so wie seine Vorgesetzten und Cameraden sahen hierfür keinen andern Grund, als daß Burg nicht das Gramen zum Hauptmann der Artillerie gemacht hatte. Mit der Zeit schien aber der Gedanke Wurzel zu fassen, als ob der König ihm als Juden diese Abzeichen gegeben habe, um ihn gewissermaßen von den andern Artillerieofficieren zu unterscheiden. Burg erfuhr dies erst später, da er sonst paffende Schritte eingeleitet hätte. Sein Erstaunen war deshalb nicht gering, als er zufällig vom Oberst Hahn, dem damaligen Chef der Artillerie, erfuhr, daß Prinz Adalbert sich veranlaßt gefunden habe, ihm die rochen Epauletten zu verschaffen, indem er es für unpassend, ja für unbillig fand, ihn noch ferner die schwarzen Epauletten gleichsam als ein Abzeichen tragen zu lassen. Jetzt mußte Burg die letzten allerdings als solches, und wie er sich ausdrückt, wie gelbe Lappen des Mittelalters betrachten. Es waren dies nicht die einzigen Auszeichnungen, die Burg unter der Regierung des jetzigen Königs Friedrich Wilhelm IV. erfuhr. Im Jahre 1842 wurde er, obwohl ihm Andere im Rang gleich standen, zum Vorsitzenden des bei seinem Trnppentheil errichteten Ehrenrathes gewählt und bestätigt. Zwei Jahre später erhielt er vom König in Betracht seiner Leistungen die große goldene Medaille für Wissenschaft. Neben seinen literarischen Arbeiten erhielt die gewissenhafte Erfüllung seiner dienstlichen Angelegenheiten die volle Würdigung seiner Vorgesetzten. Aber dennoch beschlich ein Gefühl von Bangigkeit unfern guten Burg, das allerdings nicht ungerechtfertigt erschien. Burg war nun bereits vierzehn Jahre Hauptmann und rückte in seiner Reihenfolge imnrer näher zum Major, bei aller ihm bewiesenen freisinnigen Anerkennung war er nu.n doch nicht sicher, ob der König nicht Anstand nehmen würde,