Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 74)
- Language
- German
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71 geneigt zu finden. Alls Anlaß eines sehr ehrenvollen Empfangs, der Burg von ehemaligen Cameraden tu Koblenz zu Theil geworden war, äußerte sich derselbe über Burg in sehr anerkennenden, wohlwollenden Worten. So wahr ist -es, daß ein Benehmen, das Achtung und Wohlwollen verdient, sie am Ende auch abringt. Burg hatte nach fünfundzwanzigjähriger Dienstleistullg den Anspruch auf das sogenannte Dienstesauszeichnungskreuz. Bei den Ansichten des Königs beunruhigte es ihn, daß seine Religioll ihm die Verleihung versagen lassen könnte; dennoch überließ er die ganze Sache den Behörden. Er folgte darin dem Rath seiner Freunde, die ihn auch ganz gut leiteten, denn Burg erhielt auch wirklich bald darauf das Dienstkreuz. Es war dies um so erfreulicher für ihn, als er nach seinen strengen Begriffen von Ehre ohne dessen Besitz lücht im Dienste hätte verbleiben können. Dagegen ließ sich Burg bald beschwichtigen, als der Versuch seines Chefs, Generallieutenant von Reich, ihm den rothen Adlerorden zu erwirken, an der Denkungsart des Königs scheiterte. Doch war sein Ehrgefühl diesfalls angeregt, besonders da es sich um die erste Verleihung dieses Ordens an einen Juden, mithin um Aufhebung des in dieser Hinsicht bisher befolgten Princips handelte. Obschon nun durch den erfolgten Hintritt des Königs Friedrich Wilhelm III. neue Hoffnungen in Burg erstehen konnten, so sah er sich darin abermals getäuscht, als er bei der bereits unter König Friedrich Wilhelm IV. stattgefundenen Ordensverleihung wieder übergangen wurde. Um so größer und freudiger war seine Ueberraschung, als er am 15. October 1841, dem Geburtstage des Königs, den sehnlich gewünschten Orden erhielt. Zwei Jahre später wurde Burg auf das Schmerzlichste durch den Tod seines hochherzigen Gönners Prinz August betroffen. Allein obschon von dessen Nachfolger Prinz Adalbert nurnvenig gekannt, hatte er bald Gelegenheit, sich der Huld desselben zu erfreuen.