Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2609281-2609284--2582-2609925- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
69 genug, ich wurde dabei doch nicht ganz entmuthigt; ungeachtet dieses »Ich kann nicht« konnte ich die Hoffnung nicht ganz aufgeben, es war mir nicht möglich, gänzlich zu verzagen; eine innere Stimme flößte mir Trost ein, und forderte mich, fast gegen meinen Willen, auf, mit Zuversicht das Kommende vertrauend zu erwarten. Ich war mir selbst ein Räthsel. Meine mir unvergeßliche, brave Frau, die mich unaussprechlich liebte und mit der innigsten Treue und Zärtlichkeit an mir hing, suchte mich zwar stets zu beruhigen, wenn ich, wie es zuweilen and) wohl vorkam, mich über das mir widerfahrene Ungemach beklagte, allein ich wußte recht gut, daß sie selbst an dem Gelingen zweifelte und wenig Hoffnung hatte. Auch meine nächsten Verwandten und Freunde waren ganz anderer Meinung wie ich. Für sie war es zur Gewißheit geworden, daß der König mich nun und nimmermehr zum Hauptmann avanciren würde. Nur ich allein konnte ihre Ansicht nicht theilen. Ohne mir Rechenschaft zu geben, ohne daß ich ihnen, ohne daß ich mir selbst einen Grund für meine Hoffnungen anführen konnte, fühlte ich nach kurzer Zeit eine, mir noch heute nicht zu erklärende Ruhe, eine innere fast ungestörte Zuversicht. Allein wie konnte es auch anders sein, wie konnte ich auch die Hoffnung, das Vertrauen aufgeben, da der allbarmherzige Gott mir bis jetzt so unendlich viele Beweise seiner grenzenlosen Liebe, Fürsorge und Vatertreue gegeben, mich so wunderbar geführt hatte? Wie sollte ich jetzt mit einem Male verzagen? Und wenn sich meiner auch manchmal ein banges Gefühl bemächtigte, so faßte ich mich doch bald wieder, sah vertrauungsvoll in die Zukunft und dachte: »bis hierher hat deine Barmherzigkeit mich geführt und deine Gnade hat mich nicht verlassen, Du wirst mich auch ferner nicht verlassen.« Burg's kindliches Vertrauen bewährte sich bald. »Am 15. November 1832,« erzählt er, »war ich des Vormittags in der Bibliothek der Artillerie- und Ingenieurschule beschäftigt, als eine Ordonnanz des Prinzen eiligst in