Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
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Die Musik öet den Juden.' Von Albert Cohn. Glaube mtb Kunst, letztere als Darstellung des Schönen, stehen in einem zu innigen Zusammenhänge, als daß das Judenthum ohne eine ihm entsprechende Kunstform gedacht werden könnte. Die Verehrung des Göttlichen, obgleich tief im Geiste begründet, sucht und findet auch alsbald in der sie umgebenden äußeren Welt ein paffendes Mittel ihre Ideen zu versinnlichen, dem Gemüthe, der Einbildung sie näher zu bringen und zu veranschaulichen. So lange der Geist, wie das in den verschiedenen Formen des Heidenthums der Fall war, sich in die Anbetung der Natur und deren Werke vertiefte, mußte die Kunst, eingedenk ihres Ursprungs, unter den verschiedenen ihr zu Gebote stehenden Formen die passendste wählen, welche der Schönheit vom menschlichen Standpunkte den natürlichsten Weg zeigte, das Göttliche darzustellen. Die menschliche Form war die edelste, die er kannte; menschlich mußten seine Götter erscheinen; sei es, daß seine Sagenlehre sie ihm als solche vorführte, oder daß in grauer Zeit erhabene Menschen sich zu Halbgöttern erhoben hatten. Ganz so, wie selbe im Leben sich vorfanden, dem Gesichts- und selbst dem Tastsinne bemerkbar, mußte die Kunst jene dem Auge des beschauenden Volkes vorführen; im Maße nur und in der Verhältnißmäßigkeit der Formen wie des Ausdruckes konnte der Künstler es verrathen, daß es sich hier nicht um Menschen, wie man sie im Leben vor sich sieht, handle, sondern um Wesen jener Art, die man Götter nennt. Erhaben wie sie waren, hatten sie unter den in der Natur bestehenden Formen sich die edelsten ausgesucht.