Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 353 (sequence 450)
- Language
- German
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346 der Stube brennt noch Licht. Vater und Mutter warten noch des heimkehrenden Sohnes; die Letztere in aller Pein und Qual eines besorgten Gemüthes. Kobi steigt aus; ein Freudenschrei tönt aus der Stube. „Bist Du nur gesund und wohl auf, mein Kind?" fragte Perl, die den Sohn ängstlich nach allen Seiten belugte, nach den ersten Umarmungen. „Hat er Dir nichts gethan?" „Ganz gesund und wohl aus, Mutter Leben," antwortete Kobi lächelnd, „es fehlt auch nicht ein Nägele an mir." „Und unser Geschäft?" fragte Nebb Wolf. „Ganz gut ausgefallen, Vater Leben," entgegnen Kobi. „Ich Hab' mir's auch gedacht," meinte Rebb Wolf mit väterlichem Stolz, „wenn ich Dich schick'!" Da nahm Kobi vom Kasten eine goldgeränderte Kaffeetasse herab, die dort zum Aufputz stand, und schleuderte sie mit Kraft auf den Boden, daß sie in hundert kleine Scherben zertrümmert ward. Perl schrie laut auf vor Schreck. „ Schmäh Jisroel," rief sie, „was machst Du, Kobi, meine schönste Schal'!" ... Da sah sie Kobi lächelnd an in ihrem Schrecken und sagte dann: „MöchtestDu sie denn nicht für Deinen Sohn hergeben, wenn er Dir eine Schwiegertochter mitbringt?" Sprachlos starrten ihn die Eltern an. „Um Gottes Willen," rief dann Perl, „Du bist doch nicht..." „Ja, MutterLeben," sagteKobi, „ich bin Chosen (Bräutigam), wenn Ihr Beide nichts dagegen habt." „Mit wem denn?" kam es aus einem Munde. „Mit der Tochter des Randars!" — „Und des Vorstehers Sohn?" „An den Hab' ich gar nie gedacht!" — Kobi gab erst später seinen Eltern die Geschichte seiner Brautwerbung, aber nur in den allgemeinsten Umrissen. Das Wichtigste verschwieg er, das behielt er dankbar in sich, näm-