Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 449)
- Language
- German
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345 Hist mir auf Nichts erE ÄytKort schuldig geblieben. Gute Geschästsleut' waren die aber auch, die zu mir gekommen, aber der Eine hat bald den, bald jenen Fehler an sich gehabt. Du bistauch kein Spieler, und bist kein Heuchler. Du hättest mich können gewinnen lassen, und bast's doch nicht gethan. Was mir aber besonders an Dir gefallen, das ist Dein gesetzt Wesen, und daß Du ein Jüd' bist. Es gibt Leute, denen ist gerad'das nicht recht; die lassen Manches krumm sein, nur wenn man kein Jüd' ist. Dazu gehör' ich nicht; mein Kind braucht ein jüdisch Herz, ein fromm Gemüth, und das hast Du. Dein „Benschen" und Tefillimlegen geht mir nicht aus dem Kopf. Und selbst in der Nacht, wie ich zu Dir gekommen bin, hast Du Dein „Arbeh Kanfes" umgehabt. Jetzt frag' ich Dich nur Eins: Willst Du meine Mirl? oder willst Du sie nicht?" „Rebb Szimche, Reöb Szimche," schrie Kobi stürmisch, „Sie fragen mich noch? Aber Sie wissen ja noch gar nicht, wer ich bin?" „Hab' ich Dich schon gefragt darum?" sagte der Randar ernst, „oder brauch' ich's selbst zu wissen? Meinst Du, ich kenn' Dich nicht? Und wenn Du eines Schulklopfers Sohn wärst, so zieh' ich mein Wort auch nicht zurück. Willst Du's aber durchaus sagen, so Hab' ich auch nichts dagegen; nur mußt Du's dann meiner Tochter sagen." Währenddem hatte sich die Zimmerthüre leise geöffnet; auf der Schwelle erschien Mirl, das Gesicht von Thränen überströmt, aber durch die Thränen glänzte wieder dasselbe siegreiche Lächeln, das ihm gestern als Leitstern gedient hatte. „Was weinst Du denn, mein Kind Leben," fragte der Randar voll Innigkeit. „Du hast mir ja gesagt, daß Du den, oder keinen Andern willst! Ist es vielleicht nicht wahr?" — Unhörbar, mit abgewandtem Blicke wollen wir an den Glücklichen vorüberhuschen. So viel zu berichten wäre von den wenigen Stunden, die sie miteinander verlebten, so kühn wäre das Wagniß. Gehen wir vorüber!- Eine „Gelegenheit" rollt in später Nacht durch die Gasse; vor dem Hause mit den drei Nußbäumen davor hält sie; in