Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 349 (sequence 446)
- Language
- German
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342 erauickt; über Nacht war das ganze Heer Löser Zweifel und Entmutigungen über ihn gekommen und hatte arge Verwüstung angerichtet. So nahe dem entscheidenden Augenblicke sühlie er sich schwach und abgehetzt; erfühlte, dem heutigen Tag könne er nicht so bestehen, wie erden gestrigen bestanden hatte. Wie sollte das enden? Dann nahm er die Tefillin (Gebetriemen) zur Hand und begann sein Morgengebet. Anfangs war seine Seele nicht dabei; gedankenlos sielen die schönen, heiligen Worte Zions aus seinem Munde. Dann aber überströmte es ihn plötzlich wie lauterste Frömmigkeit, wie wahres Gebet; innig klang jetzt die geweihte Sprache Gottes, lauter und immer lauter quollen ihm die heiligen Worte hervor; er empfand es in der Seele, wie er Gott um etwas Großes zu bitten habe. So hatte Kobi noch nie „geort." Gerade als er geendigt und im Begriffe stand, die Tesillin wieder zusammenzulegen, trat der Nandar herein. „Gut geschlafen, Bocherl?" fragte er derb. „Wie man zum ersten Mal in einem fremden Bette schläft," meinte Kobi, der keine Unwahrheit sagen wollte. Ueber die breiten Züge des Randars schlich eine Art höhnischen Lachens. „Heut' Nacht wirst Du schon ruhiger schlafen," sprach der Randar in einem Tone, von dem Kobinicht wußte, sollte er ihn für spöttisch oder verheißend halten? — Dann brachte Mirl das „Anbeißen"; und wiejedemLiebbaber,kamihm auchdasMädchen Heuteviele tausend Mal schöner vor als gestern. Kobi suchte nach einem Lächeln auf ihrem Gest chte, aber er meinte eher Traurigkeit aus demselben zu sehen. Sie wagte es nicht einmal nach ihm zu blicken. Als das Frühstück vorüber war, entfernte sich Mirl; die zwei Männer blieben allein. „Nun, Jüngel," sagte der Randar nach einer Weile, „wollen wir jetzt von dem Geschäft reden?"