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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1854-01-01 · Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854) · p. Seite 347

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 347 (sequence 444)
Language
German
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IRI
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340 Kobi öffnete, ohne zu antworten, die Thüre und rief mit lauter Stimme in die Schenkstube hinein: „Ist Einer von den Gästen noch auf? Der komme her." Alsbald kamen aus den Winkeln der finstern Stube, wo fle ihr Nachtlager aufgeschlagen hatten, dunkle Gestalten herbei geschlichen, furchtbar anzusehen in ihren nicht weniger als schönen Trachten, und stellten sich an der Thüre auf. „Was wollen Sie? Herr Leben," meinte Einer in kläglich-schläfrigem Tone. „Da," sagte Kobi, indem er Einem das Geld gab, „vertheilt das Geld unter Euch, aber friedlich und ehrlich. HörtJhr's?" Da hätte man das Heulen und Kreischen der so reich Beschenkten hören sollen! Es war, als ob hungrige Wölfe mitten im Winter auf Beute gestoßen wären, die fie nun in Gemeinschaft verzehrten. Als Kobi sich wieder umwendete, stand ihm derRandar mit furchtbar drohendem Angesicht gegenüber. Kobi erschrak zu Tode. „Was hast Du mit meinem Gelde gethan?" fragte er mit der alten schreckhaften Stimme. Wieder sah Kobi aufMirl, die neben ihrem Vater stand und, wunderbar! noch immer dasselbe strahlende Lächeln auf ihrem Antlitze trug. Das gab ihm wieder Neuen Muth. „Ich hab's weggegeben an arme Leute, Rebb Szimche, die's anders brauchen können, wie Sie und ich," fagteKobi mit ruhig entschiedenem Tone. „Weißt Du, daß Du ihnen fünf silberne Zwanziger geschenkt hast!" fuhr der Randar fort. „Darf ein Geschäfts mann sich so ausgeben? Liegt's in Deinem Vermögen, so viel an arme Leute wegzugeben?" „Mit Spielgeld," meinte Kobi und richtete seine Augen fest aus denNandar, „mach' ich's niemals anders, das behalt' ich nicht bei mir; ich möcht' glauben, es brennt mir die Tasche durch."

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