Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 440)
- Language
- German
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336 hob und sich leicht gegen den Randar verneigte, ries er mit lauter Stimme in der heiligen Sprache Zions: „Mit Erlaubniß des Herrn Hausherrn: Gelobt seft von dem wir gespeist worden." Mit kräftigem Tone wiederholten die zwei Andern das: Gelobt sei, von dem wir gespeist worden; worauf Kobi mit lauter Stimme den langen Tischsegen hersagte, daß nicht auch eine Silbe „überschluppert" schien. Kein Landrabbiner hätte mit mehr Weihe und Kraft von Anfang bis zu Ende das langathmige Gebet zu Stande gebracht. Zum Schluffe erhob Kobi noch einmal das Glas, und indem er den Segen dazn sprach, nippte er davon und verbeugte sich dann nochmals gegen den Nandar, dem er mit einem: „Zur Kraft" dankte. Als Kobi hierauf nach Mirl blickte, fand er ihr liebes Antlitz von Freude strahlend; er hatte also „gut" gebenscht? — Nachdem Mirl wieder abgeräumt hatte, meinte Rebb Szimche, der sich weit und breit in seinem Lehnstuhl streckte^ indem er mühsam das Gähnen unterdrückte: „Was machen wir jetzt bis zum Schlafengehen? Kannst Du einen „Franzefuß" spielen, Jüngel? Du verstehst Dich ja auf Alles. Kobi besann sich einen Augenblick, ob er auf diese kitzliche Frage mit Ja antworten solle; aber eben so rasch sagte er darauf: „Wenn man mich gerade dazu braucht, laß' ich mich auch zu einem „Franzesuß" gebrauchen." „Gut, Jüngel," meinte der Randar, der sich zurecht setzte, „wir wollen sehen, was Du kannst." Mirl brachte Karten und Kreide. Der Randar ergriff das „Pasch" Karten, blätterte sie mit kunstgeübter Hand durch und gab dann aus; auf Kobi waren merkwürdiger Weise lauter schlechte Blätter gefallen. Ehe das Spiel nun begann, griff der Randar in seine Hosentasche und legte einen silbernen Zwanziger neben sich.