Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 432)
- Language
- German
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328 Kobi verstand den Randar recht gut, was dieser unter „auswärtiger" Kost meinte. „Ich will die Kost und die nicht," sagte er mit dem wahrsten Ausdrucke in Stimme und Geberde, „mir ist am liebsten, wenn ich zu Hause mein Essen haben kann. Darüber geht nichts, und dann kost'sanch nicht soviel." Dem Nandar mochte diese Antwort nicht mißfallen haben; seine Stimme stieg wieder von den tiefen Tönen der Grobheit zu den etwas hohem seiner gewöhnlichen Barschheit hinauf. „Zu essen sollst Du bekommen. Jüngel," sagte er, „daß Du genug hast, und schmecken soll's Dir auch, wie ich hoffen will, denn es ist Alles von meiner Tochter gekocht." So sehr Kobi bis zu diesem Augenblick als Meister des Schlachtfeldes sich behauptet hatte, so verlor er beinahe durch die einzige Nennung der Tochter alle bisher errungenen Vortheile; ein Umstand, der auch bei den größten Feldherren aller Jahrhunderte sich findet. „Ihre Tochter, Nebb Szimche, kocht?" rief er unüberlegt heftig, in einem Tone, der zu dem bisher eingehaltenen in zu lautem Gegensätze stand, als daß er nicht hätte auffallen sollen. „Was hast Du, Bocherl?" fragte der Randar, „kommt Dir das so sonderbar vor, daß ein Mädchen kocht?" Kobi hatte wieder die alte Fassung gewonnen; er hatte sich nur in einem unbewachten Augenblick weiter fortreißen lassen in das Schlachtgewühl, als die Klugheit erlaubte. „Sonderbar kommt es mir nicht vor," meinte Kobi ruhig, „weil es sich von selbst versteht; aber doch ist es mir wie ein Wunder. Wissen Sie, Rebb Szimche, wie es unsere Mädchen in den „Killes" jetzt anfangen mit dem Kochen. Vier Wochen vor der Hochzeit werden sie von der Mutter in die Küche hinausgenommen — und dann werden sie für ausgelernte Köchinnen ausgegeben. Wenn dann der Bräutigam zufällig kommt, so find't er sie mit dem Kochlöffel in der Hand. oderdasGesicht eingerußt. Haben da unsereWeisen nicht recht.