Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 431)
- Language
- German
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327 ..Da hast Du wieder Recht." lachte der Randar. „Zu einem Geschäft gehören Zwei: Einer, der gewinnt und der Andere, der gewinnen läßt." „Wie aber, wenn alle Zwei gewinnen?" entgegnete Kobi wieder beherzter. „Das versteh' ich nicht, das ist mir zu hoch," sagte der Nandar grob, „mit mir, Bocherl, mußt Du teutsch reden." „Verzeihen Sie, Nebb Szimche," meinte Kobi bescheiden, „wenn ich Ihnen heut' darüber keine Auskunft geben kann; morgen aber, wenn das Geschäft vorüber, will ich es Ihnen gleich sagen." Dem Randar schien diese Ausflucht einzuleuchten: er brach von dem berührten Gegenstand ab. „Es wird heut' zu spät sein, vom Geschäft zu reden," meinte er sodann. „Wenn Du willst, kannst Du hier bleiben über Nacht, Jüngel, es soll Dir und dem Kutscher an nichts fehlen. Das Pferd werd' ich in den Stall führen lassen." „Ich nehm's mit Dank an," sagte Kobi bestimmt, „ich glaub' selbst, es ist besser, wir lassen das Geschäft bis morgen sein; über Nacht kann man Vieles ausschlafen." Sein Herz schlug nach diesen Worten wieder freier; er hatte nun das Recht, die Erlaubnis hier zu bleiben. Ohne daß der „Feind" den geringsten Widerstand entgegensetzte, hatte er sich mitten im Lande festgesetzt. „Wird er Dich von hier vertreiben können?" fragte er sich. „Hast Du Hunger, Bocherl?" fragte ihn hierauf der Randar. „Ich komm'heute schon weither, und in die „Garküchen," wo ich durchgekommen bin, Hab'ich nicht gehen wollen," meinte Kobi, der in diesem Augenblicke wohl wußte, warum er dieses sagte. „Warum nicht? Bocherl?" rief der Randar wieder mit seiner schreckhaften Stimme, aber zugleich mit einem gewissen lauernden Blick hinter den Augenbrauen. „Warum nicht? Kochen Dir die Garküchen vielleicht nicht gut genug? Bist Du vielleicht an „auswärtige" Kost gewöhnt?"