Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 416)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2609281-2609282--2404-2609746- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
312 Zu unerwartet kam die plötzliche Wendung dieses langen Berichtes, als daß sie nicht eine wahrhaft betäubende Wirkung auf Perl hätte Hervorbringen sollen. Weniger war sie bei Kobi sichtbar; dieser saß unbeweglich da, spielte mit dem Messer oder sah dem sprechenden Vater auf die Lippen. Als Rebb Wolf nun mit seiner Aufforderung an ihn sich wendete, flog ein rasches Erröthcn über seine Züge; es schien fast, als wäre er über etwas überrascht worden. „Um Gottes Willen, Du wirst doch das Jüngel nicht zu dem Bären schicken wollen," schrie nun Perl, die sich einigermaßen erholt hatte. „ „Er wird ihn nicht aufessen, d'rauf geb' ich Dir mein Wort," sagte Rebb Wolf lustig, „und wenn auch? Um 400fl. kann man sich auch ein „Bissele" aufessen lassen."" „Und ich geb's nimmer zu," rief Perl mit großer Entschiedenheit, „daß mein Jüngel zu dem Wolf geht! das geb' ich nimmer zu." „„Erst ist er bei Dir ein Bär, dann ein Wolf! Was wird er noch Alles werden!"" meinte Rebb Wolf. „Zu einem so wilden Menschen sein eigen Kind schicken! wiederholte die sonst so sanfte Perl mit einer Art von Bitterkeit mehrmals, „hat man das schon gehört? Und wenn ev ihm einen Fuß zerbricht oder eine Hand, so ein Bär, was er ist, wird ihn Dir derVorsteher mit all' seinem Geld bezahlen können?" „„Was das betrifft, Mutter Leben," begann mit einem Male Kobi selbst und lächelte dabei, schlau wie gewöhnliche „so sei ganz außer Sorgen. Man läßt sich nicht so krumm schlagen mir nichts, dir nichts. Dazu müssen immer Zwei sein : Einer, der sich schlagen läßt, und der Andere, verschlägt. Und warum soll man wegen vierhundert Gulden nicht so etwas Kleines unternehmen? Thut man doch viel Größeres um viel kleineren Gewinn! Und noch dazu macht man sich den Vorsteher zum guten Freund; man kann nicht wissen, wie man ^en einmal brauchen kann.""