Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 413)
- Language
- German
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309 Eben so verwundert habe auch er gefragt, fuhr Rebb Wolf fort, aber das habe ihm wenig genützt. Nun sei der Vorsteher weiter gegangen und habe ihm als Geheimniß anvertraut — aber vor Weib und Kind habe er kein Geheimniß — daß sich sechs Meilen von hier ein Mädchen befinde, d. h. eine Partie, die sich fürfeinen Sohn wie nur etwas in der Welt schicke, Geld sei da, mehr als nöthig, Schönheit und guter Ruf auch, aber was das Hauptsächlichste sei, man sehe bei ihr auf nicht viel Geld, man wolle nur einen tüchtigen Menschen für sie. Ganz außer sich habe er gefragt, wo denn so ein Wunder Gottes versteckt sei? wo Alles beisammen sei, Geld und Schönheit und guter Ruf, und wo man selbst nicht auf das Geld sehe? wie und wo denn solche Leute, um Gotteswillen! anzutreffen seien? erst nach langer Zeit habe er die gehörige Auskunft erhalten können. Das Mädchen sei die Tochter von Rebb Szimche Süß, von jenem reichen Nandar, dem man nachsage, er habe mehr in seinem Vermögen, als er selbst wisse. Der Reichthum liege daselbst aufgespeichert, wie Hausen Getreide; wohin man blicke, erschaue das Auge, was es freut und ihm wohlthut. Das seien noch Leute, bei Denen etwas zu holen sei. Die Tochter sei ein einziges Kind, Söhne hätte man keine und so würde die Tochter nach des Vaters Tode eine Erbschaft antreten, wie sich sie jedes Jüdenkind wünschen könnte. In halb „Pehm" (Böhmen) könne man herumreisen, bis man einen Rebb Szimche finde, und ein Mädchen, das seiner Tochter gleich komme. „Und was braucht er dich dazu?" fragte Perl, deren Neugierde wie ein junges Füllen auf der Weide durchging. Das werde sie sogleich hören, gab Rebb Wolf zur Antwort; er habe dieselbe Frage an den Vorsteher gerichtet und lange auf die Entgegenrede warten müssen. Endlich habe dieser ihm anvertraut: so wünschenswerth und ein so großes Glück das auch wäre, wenn die „Partie" zu Stande käme, so schwer sei es, an sie zu kommen. Er könne sich denken, von seiner Seite sei nichts im Wege, desto mehr aber von Seiten der „Beschau." Von dem Vater nämlich, dem Randar