Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 366)
- Language
- German
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260 und wäre die Regierung nicht zeitlich intervenirt. es würde zum Blutvergießen gekommen sein. Ueberhaupt gibts im ganzen Orient kein judenfeindlicheres, fanatischeres, blutdürstigeres und zugleich verschmitzteres und moralisch degradirteres Volk als gerade die Ueberbleibsel jener großen Nation, die einst die Wiege der Kultur, aller Kunst und Wissenschaft, die unerschöpfliche Quelle alles Großen und Schönen war. Ich will indessen diesen Ausspruch nicht zu sehr im Allgemeinen gethan haben, wir wissen's am besten, wie ungerecht man ist, oft von Einzelnen auf das Ganze zu schließen, und ich kannte in meinem Leben Söhne Hellas', die ich zu den edelsten Menschen rechnen durfte, doch so viel muß ich sagen, daß die unheilvollen Elemente von Intoleranz, Fanatismus, Käuflichkeit, Mißbräuchenund moralischer Verworfenheit, die man hie und da in den Fürstenthümern findet, dorthin von diesen südlichen und von andern nördlichen Nachbarn verschleppt worden find; dem romanischen Volke find diese moralischen Mängel ursprünglich nicht angeboren. Wir kommen jetzt zur Betrachtung der Verhältnisse der Juden in der Walachei. Die Juden in der Walachei find bei weitem weniger zahlreich als in der Moldau. Nur in wenigen der größern Städte (Bukarest. Ploeschti, Kraiova, Braila) gibts einigermaßen ansehnlichere Gemeinden. Wenn man jedoch bedenkt, daß in der ansehnlichsten aller dieser Gemeinden, nämlich in Bukarest, alle israelitischen Congregationen zusammen vielleicht 1000 Familien ausmachen, so ist wohl ersichtlich, daß die Anzahl der Juden in der Walachei nur gering sein kann. Aber auch ihr Erscheinen in der Walachei datirt viel später als in der Moldau. Vor 280 Jahren soll kein einziger polnisch-deutscher, vor 100 Jahren noch kein einziger spanisch-portugiesischer Israelit in der Walachei sich vorgefunden haben. '