Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 339)
- Language
- German
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233 liches Eigenthum der asiatischen und afrikanischen Israeliten, und es war hoch an der Zeit, daß ihre europäischen Mitbrüder ihnen nacheisern sollten. Die größte Unwissenheit herrschte besonders in Frankreich, und nur den Einbrüchen und Eroberungen der Sarazenen durste man die Verbreitung neuer nicht gekannter, nicht geahnter Einsichten, das sich Einstellen des Bedürfnisses nach Belehrung und Unterricht verdanken. In der That sehen wir die Epoche des Eindringens der Araber in Frankreich auch als diejenige an, wo die Israeliten dort mit Erfolg sich dem geistigen Wirken ihrer außereuropäischen Mitbrüder anschlossen. Die Meschulam ben Kalonymos, Joseph ben Gorion, Moise ben Jehude, Tadros von Narbone, Joseph ha Levi und Sedekias eröffnten würdig diese Bahn. Der Letztere war so berühmt, daß Carl der Kahle ihn zu seinem Leibarzte ernannte. Der Aberglaube des Mittelalters, der in den Wirkungen der Gelehrsamkeit und Kunst die Spuren übernatürlicher Kräfte sucht, läßt die sonderbarsten Dinge von ihm erzählen. So soll er einst in Gegenwart des ganzen Hofes einen beladenen Heuwagen mit Kutschen und Pferden verschlungen haben. Historikern, die solche Alfanzereien mit großem Ernste erzählen, ist wohl kein Glaube beizumessen, wenn sie berichten, wie Karl der Kahle von diesem seinen Leibarzte vergiftet worden wäre. Hätte der jüdische Arzt denn irgend etwas durch solche verruchte That gewinnen, oder vielmehr, hätte er, dem bereits die höchste medicinische Würde zu Theil geworden, nicht Alles durch sie verlieren müssen? So bemerkt auch Voltaire in seinen L88M8 sur 1e8 moeur8 et 1'e8xrit äe8 Nation, daß kein gleichzeitiger Schriftsteller weder eine Ursache angibt, warum der so hochgestellte Israelit das Verbrechen begangen, noch ob, und welche Strafe er dafür erhalten habe. Wir bezweifeln also mit Grund die Wahrheit dieser Erzählung, und sehen in dem ganzen Umriß nur einen Beweis mehr, wie die Ignoranz jener Zeit so