Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 330)
- Language
- German
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224 praktische Pathologie sich auszeichnete, so war es Nab, der sich mit allem Fleiße der damals noch so sehr vernachlässigten, fast verpönten Anatomie ergab. Er wendete bedeutende Summen auf den Ankauf von Cadavern, um seine Nachforschungen in der Zcrgliederungskunst gebörig zu unterstützen. Wie unvollkommen jedoch all derartiges Wissen in jener Epoche war, beweisen uns eben die Lehren dieses so fleißigen Gelehrten, da er im menschlichen Körper nicht mehr als 248 Organe oder Organtheile anzugeben wußte. Zahlreich waren die jüdischen Aerzte während des vierten Jahrhunderts, und erfreulich ist es, zu sehen, wie der Geist der Uneigennützigkeit, der in der Wissenschaft nicht die Milchkuh, sondern die himmlische Göttin sieht, die den Besitzer begeistert, und sein Thun segenreich für seine Mitmenschen macht, auch in den Heilküustlern dieser Zeit, und in dem Manne besonders, der in dieser Hinsicht seine Epoche repräsentirt, sich ausspricht. Abba Oumna übte die hohe Kunst im reinsten Streben, und so fern war von ihm jeder Eigennutz, daß er nie Belohnung für seine Dienste selbst annahm, sondern in seinem Vorzimmer eine geschlossene Büchse anfhängen ließ, in deren Oeffnung Jeder nach Gutdünken warf, was er dem Arzte schuldig zu sein glaubte. Auf diese Weise brachte er es dahin, den Armeu Zutrauen einzuflößen, die sonst nicht gewagt hätten, den berühmten, von den Reichen und Großen des Landes so häufig besuchten Arzt um Nath zu fragen. Ein anderer schöner Charakterzug dieses Mannes war, daß er von den Gelehrten sagte: sie sind meine Collegen und Gefährten im Wirken, da sie die Seelenleiden zu heilen suchen, so wie ich die der Körper. Er war auch auf keine Weise zu bewegen. Bezahlung von ihnen anzunehmen. Einer der ausgezeichnetsten Schriftgelehrten jener Zeit war Abbaje, und dieser suchte auf folgende Weise zu erproben, ob denn Alles, was man von dem berühmten Manne erzähle, auch wahr sei. Er sendete daher zwei seiner Schuber zu ihm unter dem Vorwand, daß sie seiner ärztlichen Hilfe ledürftig seien. Er nahm sie sehr freundlich aus, gab ihnen