Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 310)
- Language
- German
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204 Sache mannigfach anfgefaßt und wiedergegeben, eine genügendere Darstellung erhält, als wenn sie nur von einem Einzigen begriffen zu werden braucht. Doch das verstand Gerson nicht, und bestellte den Hauslehrer, dem er seinen Sammi mit den Worten übergab: „Ich kann mich mit dem Kinde nicht befassen, denn ich bin Kaufmann. Ja! wenn ich Zeit hätte — dann freilich. — Jndeß meinSammi muß größer, hören Sie, noch größer als ich werden! — Ihre Mühewaltung wird unbedeutend sein! Bei solchem Genie lehrt sich's von selbst." — In der That war Sammi willig und rege, so oft was Neues begonnen ward, dagegen beschränkt und verdrossen, wo länger verweilt werden mußte. Daß es zuerst mit dem Schönschreiben seine liebe Noth hatte, freuete den Vater sehr, denn „kein Genie ist je Kalligraph gewesen." Daß Sammi das rasch Erfaßte schnell vergesse, legte Gersondahin aus: „Die Genies sind nie fleißig, hören nicht gerne zweimal dasselbe Ding." — Als aber das Rechnen nicht vorwärts ging, ward der treue Lehrer sofort verabschiedet, wie man in der Regel den guten Erfolg dem Talente des Schülers und den Mißrath nur dem Lehrer zuzuschreiben pflegt. Dem ersten Mentor folgten andere und wieder andere Erzieher, und der Wechsel mit Lehrern, auch auf normale Kinder nachtheilig wirkend, konnte dem flüchtigen Knaben nicht günstig sein. Eine bleibendere Stellung in Gersons Hause hatte sich ein Hauslehrer zu verschaffen gewußt, der, dem Principal gleich, früher Jeschiba-Jünger gewesen, und der Ansicht war, daß mau der Unterrichtsfächer nicht mächtig zu sein braucht, wenn man darin nur wenigstens zu lehren verstehe. Aber nicht, wie jener, hatte er die Reinheit der Sitten und die Pietät für den alten Glauben sich zu wahren verstanden; er hatte vielmehr mit der Jeschiba den Frieden des Herzens, den Trost der Religion verloren, betete die gottlosen Floskeln nach, wie sie damals im Schwünge waren, und war freventlich genug, die Religionsspötterei auch aus seinen Zögling zu verpflanzen. Damit war nun dem flüch-