Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 281)
- Language
- German
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174 einen tiefen und schweren Verlust erlitten; an Jacob, der das Leben ״eine Pilgerschaft" nannte; an David, der nach dem Tode seines Kindes zur Mahlzeit ging. Es ist wol keinem unserer Leser neu, wie Ahron sich beruhigte, als der schönste Tag seines Lebens, an dem er zum ersten Male den Dienst als hoher Priester verrichtete, durch den Tod seiner zwei Söhne getrübt ward. Dasselbe Gefühl der Ruhe sinden wir auch später Lei Eli, der bei der Verkündigung des göttlichen Strafgerichtes, das sein Haus treffen sollte, mit der größten Hingebung sprach: Gott ist der Herr! er thue, was wohlgefällig ist in seinen Augen. Es gehört das auch zu den schönsten Gebräuchen im Judenthume, daß wir bei Todesfällen, wo das Herz so schwer verwundet wird, sprechen! ,״ ברוך דיין האמתGelobt sei der gerechte Richter." Gott hat es gegeben, Gott hat es genommen, der Name des Herrn sei gelobt. Es ist das nach dem Spruche u. a. W. ״wir müssen Gott loben für das Gute, wie für das Schlechte", weil vom allgütigen Vater nichts Böses über uns verhängt wird, wenn es uns auch als Solches vorkömmt. Nicht nur. daß der Tod nichts Schreckhaftes hatte, wir finden sogar das Skelett bei den wichtigsten Augenblicken in das frische Leben hineinschauen. Die alten Egypler hatten bei ihren Mahlzeiten die einbalsamirten Leichen neben sich liegen; bis in die letzte Zeit finden wir, daß der Bräutigam am Hochzeitstage das Sterbekleid trägt, eben so in der Sedernacht, wo jeder Hausvater in Israel sich als König dünkt. Am Neujahr und Versöhnungstag, wo wir vor Gott zu Gerichte stehen, kleidete sich früher Alles in Sterbekleider. Es war der Gedanke an den Tod so vertraut, die Hoffnung, zum Vater im Himmel zurückzukehren, so tröstend, daß noch heut zu Tage gar Viele ihre Sterbekleider (תכריכים) in voller Lebenskraft sich ansertigen lassen. Es wird auch den Trauernden als Labungsmahl nach dem Begräbnisse סעודת הבראה ein Ei, Linsen und Wein gereicht. Ei und Linsen, die rund sind, zur Erinnerung, daß der Tod rund herum kommt; er vergißt an Niemanden; und der Wein, weil es heißt: ״Gebet