Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 272)
- Language
- German
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165 könne. Es hat dies -er Hamburger Tempel ganz richtig ausgefaßt. Der Vorbeter sammt den paar Chorknaben nicht allein haben das Vorrecht zu beten; auch wir wollen und müssen beten. Schon die Rabbinen äußerten in dieser Beziehung, es gäbe keinen Gelehrten und keinen Unwissenden in unserer Zeit. Das will sagen, da wir alle beten können, so läge es nicht in der Funktion des Vorbeters, uns dessen zu entheben. Mit Vergnügen erinnern wir uns an die einfachen, aber äußerst schönen Hallel-Melodien, welche wir in dem Leipziger Filial-Tempel an den hohen Festtagen gehört haben. Solcher Art müssen die sämmtlichen Synagogen - Musikstücke abgesaßt sein, damit es nicht den Anschein habe, als sei der Tempel ein Concertsaal, wo Vorbeter und Chor sich produciren vor stillen Zuhörern. Alte Gesangesschnörkel in Noten gesetzt, bilden keinen Fortschritt, sprechen das Zeitgemäße noch nicht an; die Schnörkel müssen überhaupt weg. Fünftens. Wolle man die für unsere gesammten religiösen Interessen höchst wichtige Frage der Errichtung eines Rabbiner-Seminars, welche bei einer hohen Behörde seit einiger Zeit angeregt wurde, zur endlichen Lösung führen. Die Rabbiner sind die Vertreter der Gemeinde in geistiger Beziehung, sie müssen daher an Bildung dieselbe überragen. Und gegenwärtig noch umsomehr, als es unter den Gemeinde- Mitgliedern an studirten Leuten gar keinen Mangel hat. Die Sachen, wie sie jetzt stehen, zu schildern und zu beschreiben, Lhut nicht noth: man kennt sie genugsam. Das aber mag gesagt sein, daß wenn durch ein solches Institut erzielt werden könnte, daß wir zeitgemäß gebildete Rabbiner, des Namens würdig, bekommen, aller Zank ein Ende nehmen würde. Ein dergestalt gründlich gebildeter Rabbiner wird das Vertrauen seiner Gemeinde besitzen, er wird das Eine oder das Andere anordnen, und seine Autorität ist dann genügend, um keinen Streit auskommen zu lassen. Die Gelehrten vermehren den Frieden in der Welt, lehrt Rabbi Elieser im Namen des Rabbi Chanina.