Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 222)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Vorgängen zu sein, um die Erfolge, den Inhalt, den Werth der Ereignisse schon feststellen zu können. Wohlan, so wollen wir statt trockner Aufzählung von Daten uns lieber zuvor den Standpunkt überhaupt mit wenigen Zügen klar machen, auf welchem wir stehen. Unser Streben und Hoffen, unser Weh und Schmerz, all dies wird dadurch in das Licht des rechten Verständnisses kommen. Das brauchen wir dabei kaum zu bemerken, daß wir hier durchaus von aller persönlichen und Partei-Ansicht abstehen: wir erwägen nur, wohin wir Alle getrieben werden, mit und wider Willen, was sich an Allen kund thut, mag unsre Meinung sich noch so sehr abschattiren. Der freundliche Leser erschrecke nur nicht, wenn ich etwas weit zurückgreife in die Tage grauer Vorzeit. Der Stamm Israel hatte eine Zeit der Selbstständigkeit, der nationalen Unabhängigkeit, wenn auch hie und da durch die Suprematie eines größern Staates. wenn auch selbst durch das babylonische Exil unterbrochen. Diese Zeit umfaßte mehr als fünfzehn Jahrhunderte. In derselben war fein Beruf, die ihm anvertraute Lehre innerhalb seiner selbst die heidnischen Elemente überwinden zu lassen und der ganzen heidnischen Welt gegenüber aufrecht zu erhalten. Dann kam die zweite Zeit: die Zeit der Zerstreuung. In derThat freilich waren ungeheureTheile dieses Stammes lange bevor Jerusalem und der Tempel vor dem Schwerte des Römers sanken, bereits wie Schößlinge in alle Länder der damaligen Welt verpflanzt; so daß, als jener reale Mittelpunkt der Nation zerstört worden, die Flüchtlinge überall schon einen gastlichen Heerd fanden. Während dieser langen Zeit vom Jahre 70 an, hatte der zersplitterte und zerstreuete Stamm den Beruf, auch jenen zwei Religionen gegenüber, welche aus seinem Bekenntniß hervorgegangen, dem Christenthume im Abendlande, dem Islam im Morgenlande, seine Glaubenslehre aufrecht zu erhalten, weil sie eben durch jene Religionen nicht in ihrer Ganzheit, ja nicht einmal in ihrem eigentlichen Wesen in die Völker