Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 209)
- Language
- German
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100 armer Schulkinder. Von sehr verehrter Hand kamen uns darüber folgende Notizen zu. In Folge wiederholter Klagen armer israelitischer Eltern, daß deren Kinder in Unwissenheit und Rohheit aufwachsen müßten, weil ihnen die Mittel fehlten das Schulgeld zu bezahlen, entstand im Jahre 1847 in Frau Therese Meyer geb. Weikersheim die Idee einen Verein zu gründen, dessen Zweck sein sollte: armen israelitischen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, diese während der Dauer der Schulzeit mit den nöthigen Büchern und Arbeitszeug zu versehen, und wenn die eigentlichen Schuljahre vorüber sind, die Mädchen insbesondere in irgend einer Handarbeit so weit ausbilden zu lassen, daß es ihnen möglich werde sich ihren Unterhalt dadurch zu schaffen. Ein weiterer Zweck war, durch die Vermischung der jüdischen Kinder in den Schulen mit den christlichen, erstere in Sprache und Wesen gesitteter zu machen, letztere hingegen an den Umgang mit jüdischen Kindern zu gewöhnen. Diese von Frau Therese Meyer warm erfaßte Idee ward zuerst an Frau Henriette Biedermann und Fr. Julie Schlesinger mitgetheilt und von ihnen eben so eifrig angenommen. Durch gesammelte Beiträge von täglich einem Kreuzer (daher „Kreuzer-Verein") kam in Kürze so viel zusammen, daß beim Beginne des Schuljahres im Herbste 1847 schon für 38 arme Kinder in 4 verschiedenen Schulen das Schulgeld gezahlt wurde, im nächsten Jahre bereits für 52, und so aufsteigend in derArt fort, daß am Schluß des Schuljahres 1853 106 Kinder gleichzeitig den Schulunterricht durch die Mittel des Vereins genossen. — Nach dem am 2. Jänner 1851 erfolgten Ableben der Frau Therese Meyer ward in Anerkennung ihres rastlosen Eifers bei der Gründung des Vereines sowohl, als auch bei dessen Führung und Leitung, demselben der Vorname der Verewigten beigesetzt und heißt er seither „Theresien-Kreuzer-Verein." Derselbe wird von fünf Vorsteherinnen, den Frauen: Henriette Biedermann, Julie Schlesinger, Regine Brandeis, Henriette Wertheimer und Marie Schnapper geleitet, ist im besten Wirken und stetem Wachsen begriffen, erfreut sich der Theilnahme von nahezu 200 zahlenden Mitgliedern und besitzt bereits ein kleines Stammkapital, welches ihn bald in den Stand setzen dürfte, noch größere Wirksamkeit für die Heranbildung armer Kinder zu thätigen, selbstständigen Menschen zu entwickeln. Nach dem uns vorliegenden letzten Ausweise betrugen die Auslagen der Anstalt im Jahre 1453 1283 fl. 7 kr-, welche in 151 fl. durch Kapitalszinsen, 1053 fl. 30 kr. durch