Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 205)
- Language
- German
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96 bildet die Bibel hier bis hinauf zur 6. Gymnasialklasse Gegenstand des Religionsunterrichtes. In der Schule selbst aber werden außer der Bibel, je nach der Elementarklasse, passende Stücke aus dem Gebetbuchs gelehrt. so daß nach einem dreijährigen Cyclus das Gebetbuch so ziemlich erschöpft sein dürste. Es ist dabei ein doppelter Zweck verbunden. Das Hebräische wird besser erlernt; durch die größere Masse des Gebotenen fängt das Ohr an sich daran zu gewöhnen (das befördert bekanntlich bei jeder Sprache das Erlernen derselben). Zugleich aber werden die Schüler dem gottesdienstlichen Leben näher gebracht. Es kann die Teilnahme am Gottesdienste dann um so reger und andächtiger sein, wenn das Gebetbuch nicht ein „verschlossenes Buch" bleibt. Bedenkt man ferner, daß der Gottesdienst das einzige Band ist, das Israel, welches im Leben so zerstreut auf allen Wegen, nach allen Richtungen ist, vor Gott einigt, so ergibt es sich von selber, daß dieses Band so viel als möglich gekräftigt werden müsse. Das Grammatikalische der hebräischen Sprache bildet keinen besonderen Gegenstand und wird praktisch gelehrt. Es hat sich diese Methode noch überall für das zartere Kindesalter bewährt. Ein System kann erst dann eingeführt werden, wenn der logische Gedankengang bereits im Kinde gekräftigt ist. In der Mädchenklasie bildete früher die biblische Geschichte von der Welterschöpfung bis zur Zerstörung des zweiten Tempels unter Titus zwei Jahrgänge. Es ist das jetzt auf ein Jahr reducirt. Dabei bietet sich' die beste Gelegenheit, die Glaubens- und Sittenlehre den Mädchen mitzugeben, die Pflichten gegen Gott, gegen die Nebenmenschen und gegen sich selbst zu lehren. Es ist dieß in der Jetztzeit um so wichtiger. Bon jeher haben die Frauen in Israel durch ihre Glaubenstreue. durch das tiefe Rechts- und Sittlichkeitsgefühl eine große Rolle gespielt. Dieses muß jetzt um so mehr gekräftigt werden. In den Wirren des Lebens sollen die künftigen Mütter in Israel in dem Glauben und in der Sittlichkeit Stütz- und Haltpunkte finden und diese aufs Neue der kommenden Generation vererben. Zudem bildet auch bei den Mädchen als integrirender Theil des Religionsunterrichtes das Gebetbuch, und zwar zunächst das Lesen und die Kenntniß des Inhaltes der wichtigsten Gebetstücke. Es ist damit ebenfalls beabsichtigt, die Mädchen im Hause Gottes heimisch zu machen, damit sie einst das beseligende Gefühl empfinden können, „ihr Herz vor Gott auszuschülten" in Leid und Freud. Es ist dabei sehr erfreulich wahrzunehmcn.