Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- Revue der Presse.
- Date
- 1901-08-01
- Page
- Seite 631 - 632 (sequence 2)
- Language
- German
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631 Revue der Presse. 632 Schriften von Esra die Rede ist, dass sie das Buch Esther besitzen, und dass die seleucidische Zeitrechnung bei ihnen gilt". Indes ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass diese Kenntnis ihnen durch spätere Nachzügler überliefert wurde. In der That berichtet Moses de Pereyra Pavia in seinen portugiesischen Nachrichten über die zehn Stämme, „dass unter Titus Vespasianus Juden aus Persien an die malabarischen Küsten gewandert seien, von dort aus China erreichten und sich in der Hauptstadt der Provinz Honan, Sie jetzt Kaifongfu heisst, niedergelassen haben". — Nach Koegler, Notitiae circa sancta Biblia in Caifung metropoli provinciae Honän, haben die Juden in Kaifong die Bücher Josua und Richter nicht vollständig. Ebenso fehlen ihnen die Sprüche Hiob, das Hohelied und der Prediger ganz. Der Anhang einer Gesetzesrolle hatte nach Olav Gerhard Tychsen's Uebersetzung folgenden Wortlaut: „In der Stadt, welche anfangs Pien-lang hiess, in der heiligen Stadt Kaiongfu, durch Hilfe des Himmels ist das Gesetz. Der Anfang des Gesetzes ist abgeschrieben im Jahre 193 3 . . . *) Auf deine Hilfe vertraue ich, o Herr!" :— Die Synagoge in Kaifong, die noch Delitzsch in seiner Geschichte der nachbiblischen Poesie, S. 58, ausführlich beschreibt, ist während des Taiping-Aufstandes 1843 zerstört worden. Die Anzahl der noch heute in China lebenden Juden veranschlagt man auf eine halbe Million. „Leipziger Tageblatt*4 Leipzig, den 25. Juli 1901: Eine jüdische Plantagengesellschaft für Palästina soll ins Leben gerufen werden. In dem betreffenden Aufrufe heisst es u. a.: „Jüdisches Kapital muss ins Land gebracht werden, jüdische Intelligenz soll ihre Verwendung finden, jüdische Arbeiter sollen ihr Brot erwerben und dem Lande erhalten bleiben. Das Land selbst soll in de» Besitz ") 1622 nach unserer Zeitrechnung. Die chinesischen Juden haben die seleucidische Zeitrechnung von Juden geraten. Alles dieses zusammengenommen ist wohl jüdisch-nationale Kolonialpolitik zu nennen. Ein ganzes Netz solcher Plantagengesellschaften soll in Zukunft Palästina umspannen." „Freisinnige Zeitung," Berlin, den 28. Juli 1901: Ein uraltes Schriftstück, welches für die Geschichte Alt-Berlins von bedeutendem Werte ist, wurde kürzlich bei Bauarbeiten in der Jüdenstrasse in einer Art Grundstein gefunden. Das eigenartige, mit nach Mönchsschriftsart gemalten Buchstaben versehene Dokument besagt, dass die Häuser 46 bis 49 im 14. Jahrhundert den Jüdenhof bildeten und dass dieser Hof schon am Ende des 13. Jahrhunderts zum verschliessbaren Wohnsitze der Juden in Berlin eingerichtet war und sich in demselben eine Synagoge — jedenfalls die älteste in Berlin — befand. Als unter Ludwig dem Römer die Juden vertrieben wurden, verlor der Jüdenhof zwar seine Bestimmung, aber nicht seinen Namen. Im Jahre 1354 schenkte der genannte Fürst den Hof dem Probst Mörner, der die darauf stehenden Häuser einzeln veräusserte. Als die Juden wieder Aufnahme fanden, aber der alte Jüdenhof ihnen nicht mehr eingeräumt werden konnte, legte man in der Nachbarschaft ein anderes Judenquartier an. — Das Schriftstück, eine Pergamentrolle, enthält auch noch Nachrichten in hebräischen Lettern, die einem Gelehrten zur Entzifferung übergeben worden sind. Im Briefkasten eines antisemitischen Blattes war zu lesen: „Wir ersuchen unsere freundlichen Leser um Angabe einer christlichenPappschachtelfabrik, die einfache Falt- oder Schiebeschachteln in kleinen Grössen fabrizirt." Die „Volkszeitung" bemerkt hierzu: „Die Anfrage ist nicht genau genug. Es geht nicht daraus hervor, ob evangelische, lutherische, reformierte, methodistische, baptische oder katholische Pappschachteln gemeint sind." Abonnementspreis für das Halbjahr In Deutschland und Oesterreich Mark 3*50, für das Ausland Mark 4,— für Russland ganzjährig 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. ^----— Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen----—.---■-• -—-----—---Reiches unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift.-------- Anzeigen 50 Pfg. die vier gespaltene Nonpareillezeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt» Stelen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise, Adresse für die gesamte Korrespondenz: S. CALVARY & Co. (Inh. HUGO BLOCH) Yerlagsnucnnandlung und Antiquariat, Berlin HW„ Heue Wilnelmstrasse h <i i^»^»*^M^^Np^^»M»M*^^^^'Mrf"^V^»*ft%^^V^*^»'^^V^*^i MODERNES JUDENTUM. Von dem Artikel in Heft 7 von „Ost und West" „E. M. LILIEN" ist ein erweiterter Separat-Abzug auf Kunstdruckpapier und in grösserem Format in 200 Exemplaren hergestellt worden, die zum Preise von ä 1 Mk. vom Verlage oder durch die Buchhandlungen zu beziehen sind. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin W., Wilmersdorferstr. 117. — Verlag von S. Calvary&Co., Berlin NW. 7. Für den Anzeigenteil verantwortlich: Hugo Bloch, Berlin. — Druck von Pass & Garleb, Berlin W 35.