Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- Revue der Presse.
- Date
- 1901-08-01
- Page
- Seite 629 - 630 (sequence 1)
- Language
- German
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629 REVUE DER PRESSE. 630 „The American Israelite" rügt das Vorgehen des New- Yorker Zweiges der Alliance Israelite Universelle, welche kürzlich proklamiert hat, dass auch Nicht-Juden ihr als Mitglieder angehören können. Das Blatt nennt dies Verfahren eine jener „Vorstellungen* (im theatralischen Sinne), welche den Vorwurf begründen helfen, dass viele Juden sich im Herauskehren eines übertriebenen Liberalismus gar nicht genug thun können. Jüdische Gesellschaften für jüdische Zwecke sollen von Juden unterhalten werden. Wenn eine solche ihren Kreis auch Nicht-Juden öffnet, so ist das kein Akt des Liberalismus, sondern ein Armutszeugnis. Eine niedliche Geschichte erzählt die „Wiener Extrapost": „Bei der Nussdorfer Spar- und Vorschusskasse hatte seiner Zeit der Jude Philipp B. Low um die Mitgliedschaft angesucht und war aus Versehen angenommen worden. Der streng antisemitische Sekretär des Vereins kam aber hinter diesen „jüdischen1 Schwindel" und rief in gerechtem Unwillen: „Der Jud muss hinaus." Da man den Statuten nach keine Handhabe hatte, Low auszuschliessen, entzog man ihm den Kredit. „Aushungern" ist ja ein probates Mittel, die lästigen Juden aus irgend einer Erwerbsstelle herauszubringen. Als also der Low „draussen" war, kam der Krach in der Sparkasse und nun siehe da, erinnerte man sich mit einem Male des Herrn Low und lud ihn ein, mit an dem Defizit zu zahlen. Natürlich wunderte sich Herr Low ob dieser plötzlichen Liebe und erzwang ein gerichtliches Urteil, dass er dem Spar- und Vorschussverein zu Nussdorf anzugehören nicht mehr die Ehre habe." Das wundert uns gar nicht. Wenn's zum Zahlen kommt, so machen die Antisemiten eben keinen Unterschied in der Rasse. Harper's Weekly (13. Juli) berichtet: Die zionistische Bewegung hält sich sehr gut.....Die Juden, welche die Idee aufgegriffen haben, scheinen ihr treu zu bleiben. Der Plan ist bekanntlich der, in Palästina osteuropäische Juden anzusiedeln und vom Sultan einen Charter zu bekommen, welcher die Anerkennung der Grossmächte finden würde und den Kolonisten Schutz gewährt.......Gegenwärtig umfassen die jüdischen Kolonien in Palästina ungefähr 60 Quadratmeilen (englische) in Judaea, Galilaea und Baschan. Die meisten Kolonisten beschäftigen sich mit Weinbau, Seidenzucht und mit dem Anbau von Orangen, Citronen und Parfümpflanzen.....Die Jüdische Kolonialbank hat ein nominelles Kapital von 10 Millionen Dollars, wovon ungefähr eine Million bereits eingezahlt ist. Der Erfolg der Bewegung wird schliesslich davon abhängen, ob man in Palästina gute Erwerbs- und Lebensmöglichkeiten wird schaffen können. Kapitän G. King Hall, Generalstabschef der Mittelmeerflotte, hat an den „Jewish Chronicle" nachstehendes Schreiben gerichtet: „Als einer, der sich stets eifrig mit der Judenfrage befasst und weder die Vergangenheit des jüdischen Volkes vergessen, noch dessen ihm noch bevorstehende glänzende Zukunft jemals ausser acht gelassen hat, hatte ich kürzlich mit einigen Offizieren ein Gespräch über die Juden als Soldaten. Als ich behauptete, dass die eoglischen Juden ihren reichlichen Anteil an dem Kriege in Südafrika genommen haben, wurde ich von meinen Gegnern aufgefordert, nur einen einzigen jüdischen Offizier namhaft zu machen, der in Südafrika aktiven Dienst mit der Waffe geleistet hat. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir einige darauf bezügliche Informationen geben würden." Dieser Brief wurde dem jüdischen Feldprediger, Rev. F. L. Cohen, zugestellt, welcher Kapitän King Hall ein Verzeichnis von nicht weniger als 80 jüdischen Offizieren übersandte, die in der regulären Armee, in der Miliz, in der Yeomanry, unter den Freiwilligen, sowie unter den Hilfstruppen der Kolonien in Südafrika für England die Waffen ergriffen haben. Rev. Cohen fügte noch ergänzend hinzu: „Jetzt sind in der englischen Armee in Südafrika 1200 Juden identifiziert, und es ist ausser Zweifel, dass nicht weniger als 1500 daselbst auf Seiten der Engländer fechten. Da die Zahl der Juden in allen Teilen des britischen Reiches, Indien, Kanada und Australien eingeschlossen 220 000 nicht übersteigt und in England selbst höchstens 140 000 beträgt, so werden selbst Ihre wenig judenfreundlichen Kameraden zugeben müssen, dass der Anteil der Juden am südafrikanischen Kriege unverhältnismässig gross ist." Juden in China. Zu der Nachricht aus Shanghai, wonach die Kaiserin-Witwe dem Grossen Rat mitgeteilt hat, dass Kaifongfu in der Provinz Honan die künftige Landeshauptstadt sein werde, erhält die „Vossische Zeitung" eine interessante Zuschrift über diese Stadt, in der sich noch heute ein Bruchteil der verlorenen zehn Stämme Israels befinden soll. Von dem Sitze einer alten jüdischen Gemeinde in Kaifongfu berichtet zuerst Trgialtin's „De expeditione Sinica" im Jahre 1617. Aus diesem Berichte geht hervor, dass in der Provinz Honan eine beträchtliche Anzahl Juden wohnte, die vor der Ankunft der ersten Missionäre niemals von dem Stifter der christlichen Religion etwas gehört hatten, ja nicht einmal seinen Namen kannten und darum nach der Ansicht dieser Missionäre und Reisenden Abkömmlinge der zehn Stämme sein müssen. James Finn hat dagegen in seinem Werke „Die Juden in China und ihre Handschriften" behauptet, dass die Juden in Kaifongfu dem Stamme Juda angehören, was er namentlich daraus folgert, „dass in ihren