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Ost und West · 1901-08-01 · Heft 8 (August 1901) · p. Seite 613 - 614

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 8 (August 1901)
Article
Hirtenliebe
Date
1901-08-01
Page
Seite 613 - 614 (sequence 2)
Language
German
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613 Peter Hille: Hirtenliebe. 614 Es sind aber um ihn die lieblichen Wangen der Töchter Jerusalems, wie Rosenbeete in zarter Röte tiefinnig verschämt umglühen den ragenden stolzen Lorbeer. Und wie Schilde sind um ihn gestellt die Gesichter seiner Gewaltigen und wie Weizenähren von Genezaret umstarren ihn die zitternden Lanzen seiner Getreuen. Ich suchte des Nachts in meinem Bette, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn, aber da war die Stätte leer, da er gelegen. Unter dem Apfelbaum, da die Mutter lag mit ihm, die ihn geboren. Ich will aufstehen und in der Stadt umhergehen auf den Gassen und Strassen und suchen, an den meine Seele sich hinverthan, Es fanden mich die Wächter, die in der Stadt umhergehen. (bern im Nebel zeigen sich Männer schatten mit Knitteln und Hunden.) (Wie fragend:) Habt Ihr nicht gesehen, den meine Seele sucht? (Flüsternd:) Ein wenig weiter da fand ich ihn. Nun halte ich ihn. Nunlass1 ich ihn nicht und bringe ihn bis vor meiner Mutter Stirn, die weiss ist und eben und glänzend, der Thora gleich, die zu Tiefen liegt in der Arche des Bundes. Und milde wie Aepfel sind die Wangen des Furchtbaren. So er nur winkt, mähen Heere von Schwertern Dir in den jungen Hals. Und auf seiner Stirn glüht ein Rubin wie ein Auge der Reinheit, das Frevler fliehen müssen. Und wie Trauben glühen aus seines Hauptes purpurdunkeln Reben die Augen. Wo bist Du, mein Freund? Siehe, meine Seele ist hinausgegangen nach Deinem Wort und sucht und findet Dich nicht und ruft Dich, und Deine Stimme ist nicht da. (Zu sich — in demütigem Entzücken.) Seine Kehle ist süss und ganz lieblich. Wo ist mein Freund, ihr Töchter Jerusalems. (Unruhig:) Meine Seele sucht Dich und ist ganz blutig von Ranken und Steinen. (Witternd:) Wie die Würzgärtlein duften! Wie seine Wangen. So will ich hinüber zu Dir, und ob die Mauern sich türmen, meine Liebe ist stark wie der Tod und Eifer fast wie die Hölle. (Während des Klettems:) Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn. STIMME DES ERSTEN WAECHTERS: Halt, Diebin! Du willst mir an die Trauben? Ich will Dir geben. STIMME DES ZWEITEN WAECHTERS: Her damit! Her mit dem Schleier! (Man hört Schlagen, Weinen, die Thür öffnet sich; Sulamith wird hinausgestossen. Sie wankt zurück zur Hütte. Der Tag bricht an. Nahe der Hütte begegnen ihr Mädchen, die zur Arbeit kommen.) SULAMITH: Ich beschwöre Euch, ihr Töchter Jerusalems, findet ihr meinen Freund, so sagt ihm, dass ich vor Liebe krank liege. ERSTE TOCHTER JERUSALEMS (ein zuenig stehen bleibend): (Musikbegl eitung.) Wir werden künden Dein Leid. ZWEITE: Und sagen von bitteren Bächen, DRITTE: Die Dir über die Wangen brechen, VIERTE: Erloschene Wangen FUENFTE: Ihr Prangen ERSTE: Dahingegangen! ZWEITE: Wo er weilt FUENFTF: Kommt Schwestern, eilt! SULAMITH: (Hat sich aufs Lager geworfen, darinnen en Ischl ummernd:) Dass auch viele Wasser nicht mögen die Liebe auslöschen, noch die Ströme sie begraben. (Hof am Tage. Die Hätte ist leer. Die Braut ist zvieder gegangen, ihren Freund zu suchen.) DER FREUND (pocht wiederholt an die Thüre): Verzeihe, meine Geliebte, verzeihe! Ich bin ein Schakal der Wüste, der nächtens klagend über Grüfte irrt, worin Staub der alten Könige ruht. * * * (Wieder nahen die Mädchen und tragen auf einer Laubbahre die schlafende Sulamith?) DER FREUND {erschrocken): Wo fandet Ihr sie? O sagt, ist sie tot? (Die Jungfrauen legen den Finger auf den Muna, die Bahre wird hingestellt, der Freund stellt sich, dass sein Schatten über Sulamith fällt.) Ihr Töchter Jerusalems, bei den Gazellen beschwöre ich Euch und der äugenden Hirsch-

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