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Ost und West · 1901-07-01 · Heft 7 (Juli 1901) · p. Seite 551 - 552

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 7 (Juli 1901)
Article
Revue der Presse.
Date
1901-07-01
Page
Seite 551 - 552 (sequence 3)
Language
German
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551 Revue der Presse. 552 eigneter Ort zur Verkündigung des Evangeliums ist, dann ist es doch auch nicht sehr taktvoll zu nennen, auf den Stufen unserer Tempel zu predigen, von der Einmischung der Missionare in Prozesse zwischen Chinesen ganz zu schweigen. Man wolle mir verzeihen, dass ich mich nicht mit meinem Namen unterzeichne. Aber das ist mir zu gefährlich. Denn in der jetzigen Zeit könnte ein Brief wie dieser meinen Namen leicht auf die schwarze Liste bringen; man möchte mich dann enthaupten, mein Haus ausplündern und niederbrennen und meine Familie ins Elend treiben; alles im Namen der Gerechtigkeit, der Menschlichkeit und Civilis ation." Eine Missionszeitschrift „Dibre Emeth" („Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels") bringt seinen Tischo-be-Ab-Artikel wie nur irgend ein jüdisches Organ. Es heisst darin: Alle frommen Israeliten feiern den neunten Tag des Monats Ab als einen Fasttag. Besonders feierlich wird er in Jerusalem begangen. Gross ist dann die Zahl derer, die an der Klagemauer beten. Gefüllt sind auch die Synagogen. Im Vorraum sieht man Frauen und Kinder in weissen Gewändern. In dem schwach beleuchteten Innern befinden sich die Männer. Einer sitzt neben dem andern am Boden. Jeder hält ein Wachslicht in der Hand. Nach Beendigung des Abendgottesdienstes beginnt der Vorbeter die Klagelieder Jeremias zu lesen. Wenn er an Kap. 3,6 kommt („In Finsternissen liess Er mich wohnen wie die Toten der Vorzeit"), werden plötzlich alle Kerzen ausgelöscht, so dass es in der Synagoge vollständig dunkel ist. Dann wird geweint, geklagt und gejammert, als ob alle Teilnehmer an dieser Andacht, Männer, Frauen und Kinder, vor Kummer ausser sich wären. Ein christlicher Augenzeuge sagt in The J. M. Advocate, dieser Vorgang sei so ergreifend, dass es dem anwesenden Christen kaum möglich sei, seinen Thränen zu wehren und nicht mit den Juden zu weinen. Dann folgt der übliche Missions-Wahnsinn. Das Wort: „Tröstet, tröstet mein Volk! Redet mit Jerusalem freundlich!" wird auf die „geistliche Finsternis", den „geistlichen Notstand" Israels bezogen — und das in einem Lande („Dibre Emeth" erscheint in Deutschland) in dem die Juden — bei allen Fehlern, die ableugnen zu wollen uns nicht einfällt — der christlichen Bevölkerung auch in den sogenannten „christlichen" Tugenden zum mindesten nicht nachstehen. Wenn der tägliche Augenschein und wenn die statistischen Ausweise in solchen Fragen irgendwie mitsprechen, so fordern sie laut und deutlich, dass die Mission vorerst sich noch die Ausbreitung und Vertiefung des Christentums unter den Deutschen arischer Rasse angelegen sein lasse. Hier liegt das grössere und angemessenere Feld für ihre Propaganda. Kölnische Volkszeitung (12. Juli 1901). König Menelik und der Missionar. Im Leipz. Stadtu. Dorfanz. (Amtsblatt) lesen wir: Mit dem Beherrscher Abyssiniens hat ein schwedischer Missionar merkwürdige Erfahrungen machen müssen. Man erzählt darüber: Als der Missionar Abyssinien erreichte, wo er seine MissioDsthätigkeit aufzunehmen gedachte, wurde er sogleich an der Grenze, wie man vermutet auf Grund jesuitischer Umtriebe, vor den Gouverneur gebracht, der wissen wollte, woher der Fremdling kam. Der hohe Beamte hatte zwar schon von Deutschland, Russland, Italien, England und Amerika gehört, aber Schweden ging über seinen Horizont, und deshalb schickte er den Missionar unter Bedeckung an den Hof, damit dieser die schwierige Frage entscheiden sollte. Nach zweitägiger Haft in der Hauptstadt wurde er an den Hof geführt, wo König Menelik, umgeben von seinen Würden trägem und einer Leibwache, die ihre krummen Schwerter blankgezogen hatte, in höchsteigener Person den Missionar empfing. Mit finsterer Miene fragte der König: „Fremdling, von welchem Lande bist Du?" — „Aus Skandinavien." — „Zu welchem Zwecke bist Du hergekommen?" — „Um die abyssinischen Juden zu Christus zu bekehren." (Dies bildet den einzigen Vorwand, unter dem christliche Missionare das Land betreten dürfen. Ein anderes Bekenntnis würde den Betreffenden einen Kopf kürzer machen, da unter den Rechtgläubigen Abyssiniens jeder Bekehrungsversuch mit Todesstrafe bedroht ist.) — „Sehr gut!" fuhr Menelik fort. „Welche Länder hast Du denn berührt, ehe Du hier ankamst? — „Deutschland, Aegypten und den Sudan." — „Hast Du denn in Deutschland gar keine Juden zum Bekehren gefunden?" fragte Menelik. Der Missionar musste leider bekennen, dass dies nicht sein Auftrag gewesen sei. Nachdem der König auf die Frage, ob der Missionar auch in Aegypten und im Sudan keine Juden und Heiden angetroffen habe, die gleiche Antwort erhalten, fragte die braune Majestät: .,Also bei allen Juden und Heiden bist Du vorbeigefahren, um die Juden Abyssiniens zu bekehren?" Dann wandte er sich an seine Leibwache: „Dieser Fremdling wird an die Grenze gebracht, damit er zuerst die Juden uDd Heiden, durch deren Länder er gekommen ist, zu Christus bekehren kann." Also jesuitische Umtriebe sogar in Abyssinien! Auch nur ein Wort des Beweises für seine „Vermutung" anzuführen, hält der Gewährsmann des Leipziger Blattes nicht für erforderlich! Man „vermutet" nur so drauf los! t^*m*f*yi^^*^*&*mj++^**^***^f**^*>>^^fmj*^^+^*^ Abonnementspreis für das Halbjahr In Deutschland und Oesterreich Mark 3,50, für das Ausland Mark 4,— für Russland ganzjährig 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. ^-.---.---Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen----—.—-- ■-■-----——■---Reiches unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift.-----—-----■ Anzeigen 50 Pfg* die viergespaltene Nonpareillezeile, grössere Anaeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. 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