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Ost und West · 1901-07-01 · Heft 7 (Juli 1901) · p. Seite 527 - 528

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 7 (Juli 1901)
Article
E. M. Lilien
Date
1901-07-01
Page
Seite 527 - 528 (sequence 6)
Language
German
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527 M. Hirschfelder: E. M. Lilien. 528 ist nicht auch die Kraft und die stolze Einheit des jüdischen Volkes so zerfallen, vom blassen Lichte einer reichen Vergangenheit übergössen? Die Zeichnung „Simson* scheint mir in der Auffassung der Hauptscene nicht besonders gelungen, doch hat der Künstler geraHe hier es am besten verstanden, mit seiner einfachen Schwarz-Weiss- Kunst förmliche Farbenwirkungen zu erzielen. rJudau war ein Festgeschenk für das Judentum. Wir dür fen darum mit Fug und Recht auf die rHagada4' gespannt sein, die uns der Maler für das nächste Jahr verspricht, i nd die endlich einmal diesen morschen, steifen, alten Hagadabildern den Garaus machen soll. rDas jüdische Museum** zu Wien hat den Künstler mit der Herstellung dieses Werkes beauftragt. Das wäre die schönste Passahgabe, die man uns bescheren könnte. Wenn wir den Entwicklungsgang des bisheriges Schafifen Künstlers und überblicken, so sein fällt langsame Uebergang des Zeichners zum Maler auf. Die ersten, farblosen, linearen Zeichnungen in der „Jugend44 (z. B. „In Rosenketten") und die letzten, kräftigen, dekorativen, in reicher Farbe glühenden Schwarz-Weiss- Zeichnungen weisen eklatante Unterschiede auf. Nicht nur im Fortschritt, was ja selbstverständlich wäre. Nein— man hat das Gefühl, dass der Künstler sich in einem Uebergangsstadium befindet, und es lässt sich mit einem guten Masse von Sicherheit vermuten, dass er bald Bleistift und Feder mit Pinsel und Palette vertauschen wird. Dieser Entwicklungsgang ist uns ja durchaus nicht neu: wir haben ihn an Meistern wie Franz Stuck und Max Klinger miterlebt. Und da sich Lilien auf dem Widmungsblatte von „Juda" selber „einer der treuen Söhne Zions" nennt, so dürfen wir frohe und berechtigte Hoffnung für die Zukunft der Ent - wicklung einer neuen jüdischen Kunst, einer wahren Kunst, haben. Ein solches Geständnis verpflichtet. Lilien in seinem Atelier. gesamtes uns der E. M. Lilien. IN ROSENKETTEN. „Jugend" (1897).

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