Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1901)
- Article
- E. M. Lilien
- Date
- 1901-07-01
- Page
- Seite 523 - 524 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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523 M. Hirschfelder: E. M. Lilien. 524 Heimatlos. Für »Ost und West" gezeichnet von E. M. Lilien. häufig dieser reizvolle Dualismus von düsterer Tragik und lächelndem Humor in seinen Sonnenmärchen. Vielleicht dass die müde Erinnerung an sein dornenreiches Leben unbewusst ihre Schatten auch in seine künstlerischen Ideenkreise wirft. Allein es lebt in ihm überhaupt ein fast tragisches Sehnen nach idealen Harmonie en, aus dem heraus er seine tiefsinnigen Symbole spinnt. Ein wiegender Rhythmus liegt in ihnen, so dass seine Bilder oft wie zarte Gedichte anmuten. Aber es sind keine mundgerechten Alltagslieder, die sich, selbst gedankenarm, gedankenlos herunterleiern lassen. Sie reizen uns, aus der Tiefe ihrer Ideen heraus den idealen Gehalt zu suchen, wie glänzendes Gold im tiefen Bergwerksschachte. Sie geben uns mit einem Worte zu denken auf. Und wir stehen ergriffen und lauschen still den heimlichen Märchen, die er uns darin erzählt, diesen Märchen mit dem Hauche einer E. M. Lilien: Auf zarten Saiten. Aus der „Jugend" (1900). fast femininen Zartheit, über denen ein tiefer, feierlicher Mutterfrieden ruht. Wenn ich oben sagte, dass Lilien's Kompositionen keine Volkskonzerte seien, sondern heimliehe Lieder, wie sie der einsame Hirtenknabe auf seiner Schalmei dem sinkenden Abend bläst, Lieder, die nur ein auserwählter Kreis warm fühlender, ergriffen lauschender Zuhörer verstehen mag, so erhellt diese Behauptung am klarsten aus seinen „Plakaten". Gewiss — sie sind alle dekorativ äusserst wirksam und erfüllen damit ihre Märtyrermission, sich an allen Ecken zu prostituieren und die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich zu lenken. Aber es lässt sich von dem Passanten doch wirklich nicht verlangen, dass er eine Viertelstunde lang sein Standquartier davor aufschlage, um den Künstler zu verstehen. Denn symbolisch sind auch sie alle. Und so kommt es, dass Lilien gerade ,^da,] wo er