Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1901)
- Article
- Das Judentum in der deutschen Litteratur
- Date
- 1901-07-01
- Page
- Seite 489 - 490 (sequence 5)
- Language
- German
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489 Dr. Hans Landsberg: Das Judentum in der deutschen Litteratur. 490 stehen, wie er sich durch ein gewaltsames Lachen aus inneren Qualen befreit und die schneidenden innerlichen Kontraste zeitweilig zu betäuben strebt, das hat man selten genug versucht. Heine gehört zu den wenigen Dichtern, die wie Musset oder Beranger niemals klassisch werden können, weil es ihnen dazu am feierlichen Ernst und an der notwendigen Gediegenheit fehlt; die man aber liest und immer wieder liest, weil man sie ganz persönlich zu besitzen glaubt. . . . Wenn Goethe der typische Vertreter des aristokratischen Prinzips ist, so zeigt Heine eigentlich zum ersten Male in der deutschen Litteratur soziales und altruistisches Empfinden. Auf diesem Wege ist das geistige Judentum fortgeschritten. Lassalle und Marx, beide Juden, begründeten den deutschen Sozialismus, in den sich, von dem utopischen Charakter der Doktrin einmal abgesehen, ein gut Teil des alten deutschen Idealismus geflüchtet hat. Auch hier wieder trat das Judentum als Kulturträger, als Vermittler neuzeitlicher Ideen auf, und an diesem Berufe wird es festhalten, so lange es seine Spannkraft und geistige Beweglichkeit nicht einbüsst. Getaufte Jüdin im Heimatsdorf. Xach dem Gemälde von Pimonenko. «lo bleibt der Reld? Wo bleibt der Held, wo bleibt der Weise, Der dich von neuem, Volk, belebt, Der dich, ein Heiland, ins Geleise Der Weltgeschichte wieder hebt? Hat dich mit einem Leichentuche Gehüllt die Hand des Lebens ein? Sollst du auf ewig aas dem Buche Der Zeiten ausgestrichen sein? O kam' er nur; ich wollt' ihn grüssen, Wo er nur geht, wo er nur steht; Ich streute Palmen ihm zu Füssen, — Wo bleibst du Held, du mein Prophet! Ludwig Wihl.