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Ost und West · 1901-06-01 · Heft 6 (Juni 1901) · p. Seite 437 - 438

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 6 (Juni 1901)
Article
Krankheits- und Sterblichkeits-Statistik der Juden
Date
1901-06-01
Page
Seite 437 - 438 (sequence 3)
Language
German
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437 Dr. Augustus A. Eshner: Krankheits- und Sterblichkeits-Statistik der Juden. 438 Juden als bei Nichtjuden, und diese Thatsache ist sowohl von alten wie von modernen Schriftstellern bemerkt worden. So war in Italien im Jahre 1879 je ein Fall von Irrsinn unter 385 Juden, 1725 Protestanten und 1775 Katholiken. Im Jahre 1871 waren in Preussen Fälle von Irrsinn: unter 10 000 Christen 8,7, unter 10 000 Juden 14,1. In Bayern unter 10 000 Christen 9,8, unter Juden 25,2. Im gesamten Deutschen Reich unter 10 000 Christen 8,6, unter 10 000 Juden' 16,1. Unter den Truppen in Kiew ereigneten sich im Jahre 1895/96 Fälle von Wahnsinn: unter den Russen 0,91%, bei den Polen 0,92 %, bei den Muhammedanern 1,06% und bei den Juden 2,19%. In Schlesien und Württemberg waren mehr Idioten unter den Juden als unter den Katholiken, aber weniger als unter den Protestanten, während die Zahl der Wahnsinnsfälle bei den Juden die der beiden anderen Kategorien in einer ganzen Reihe deutscher Provinzen übertrifft. Eine seltene Form erblicher Idiotie mit Veränderungen an den Augen ist hauptsächlich unter Juden beobachtet worden. Die Zuckerkrankheit, die häufig ein Ausdruck der Nervenzerrüttung ist, findet sich bekanntermassen sehr häufig unter den Juden, die in dieser Beziehung nur von den Hindus übertroffen werden. So fand man in New-York unter 400 Krankheitsfällen 100 jüdische und unter 202 Todesfällen ~>4 jüdische. Blindheit ist gleichfalls bei den Juden häufiger als bei den meisten Völkern, unter denen sie leben. So waren im Jahre 1880 in Bayern 7.2 Blinde unter 10 000 Protestanten, 8,2 bei ebensovielen Katholiken und 13,8 bei der gleichen Anzahl von Juden. In Preussen fanden sich unter je 10 000 Individuen: 8,2 Blinde unter den Protestanten, 8,4 , unter den Katholiken und 11,0 unter den Juden. Auch Farbenblindheit ist unter den Juden häufiger als unter Nichtjuden. Billings findet, dass die Sterblichkeit bei den Juden grösser ist als bei ihren Nachbarn, so weit es sich um Fälle von Diphtherie, Erkrankungen der Verdauungsorgane und des Nervensystems handelt, sowie bei Rückenmarksleiden und Störungen der Blutcirkulation, bei Knochen-, Gelenk- und Hautkrankheiten. Dagegen konstatiert er eine verhältnismässig geringere Sterblichkeit der Juden bei allen tuberkulösen Erkrankungen, Skrofeln, Lungenschwindsucht und Wasser- sowie Gehirnwassersucht. Verschiedenen Ursachen werden diese Unterschiede in Bezug auf Sterblichkeit und Verhalten gegenüber den Krankheiten zugeschrieben. Aber als die offenkundigsten und logischsten erscheinen diejenigen, welche aus der Beobachtung gewisser traditioneller, religiöser und gesundheitlicher Vorschriften resultieren, so wie das innige Familienleben, die Einfachheit und Reinheit der Sitten, der Ritus der Beschneidung, die Praxis der Fleischbeschau sowie die verschiedenen diätetischen und hygienischen Vorsichtsmassregeln, üass weiterhin der Jude trotz der durch Unterdrückung und Verfolgung in der Vergangenheit verschuldeten geringeren Körperkraft und mangelhafteren Entwickelung doch eine solche Widerstandskraft gegenüber den Krankheiten zeigt, wird dadurch erklärt, dass er das Produkt einer natürlichen Auswahl, eines Ueberlebens der Geeignetsten ist, da die körperlich und moralisch minderwertigen durch Tod und Taufe aus ihren Reihen geschieden sind. Dass der Jude (im Gegensatz zu den ansteckenden und organischen Krankheiten) weniger widerstandsfähig ist gegenüber den funktionären Störungen des Nervensystems, führt man auf ihr vorherrschendes Wohnen in den Städten und den damit verbundenen intensiveren Kampf ums Dasein zurück. Es hat sich weiterhin herausgestellt, dass, jemehr der Jude aus seiner Isolierung heraustritt und sich mit den anderen Rassen vermischt, die charakteristischen Unterschiede, welche seine Krankheits- und Sterblichkeits-Statistik heute zeigt, mehr und mehr zurücktreten.

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