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Ost und West · 1901-06-01 · Heft 6 (Juni 1901) · p. Seite 433 - 434

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 6 (Juni 1901)
Article
Krankheits- und Sterblichkeits-Statistik der Juden
Date
1901-06-01
Page
Seite 433 - 434 (sequence 1)
Language
German
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433 434 KRANKHEITS- UND STERBLICHKEITS-STATISTIK DER JUDEN. Von Dr. Augustus A. Es Im er. Es existiert ein umfangreiches Material, welches uns zeigt, dass die Juden gewissen Krankheiten gegenüber mehr und anderen gegenüber weniger Widerstandsfähigkeit zeigen, als die Völker, unter denen sie ieben, sowie, dass die Sterblichkeit unter den Juden im allgemeinen eine geringere ist, als bei den unter den gleichen äusseren Verhältnissen lebenden Nichtjuden. Und weiterhin ist bemerkt worden, dass diese Unterschiede sich in demselben Maasse verringern, je mehr die Juden sich ihrer Umgebung assimilieren. Eine Anzahl von Beispielen hierfür bietet ein interessanter Aufsatz über die Pathologie der Juden, den Dr. Mauria Fishberg im Anfange dieses Jahres im „New York Medical Journal" veröffentlicht hat, und welcher in der Hauptsache den folgenden Ausführungen zu Grunde liegt. In Preussen betrug die jährliche SterblichkeitszifTer per Tausend der Bevölkerung in den Jahren von 1822—1840 unter den Christen 28,7 für das männliche und 27 für das weibliche Geschlecht gegen 22>1 resp. 19,1 bei den Juden. Von 1841—66 waren die entsprechenden Ziffern für Christen 30,2 resp. 28,2, und bei den Juden 19,8 resp. 17,9 (Mulhall, Dictionary of statistics, London 1899, p. 185). In Budapest beträgt die durchschnittliche Lebensdauer bei den Christen 26 Jahre gegen 37 Jahre bei den Juden. Die Sterblichkeit unter den Ersteren in der Altersstufe von 1—50 Jahren ist mit 14°/0 angesetzt gegen 10% Dei <^en Juden. Man schätzt dass während 50% von neugeborenen Kindern christlicher Eltern das Alter von 30 Jahren erreichen, derselbe Prozentsatz von jüdischen Kindern 50 Jahre alt werden. 8% der jüdischen und 2,4% der christlichen Bevölkerung erreichen ein Alter von 80—90 Jahren; 12% der Juden und 9% der Christen werden 60—70 Jahre alt. In Amsterdam fand man eine Sterblichkeit bei Kindern unter 5 Jahren von 11,52% bei den Christen und 8,85 bei den Juden; bei Erwachsenen zwischen 20 und 50 Jahren betrug die Sterblichkeit 5,98 bei den Christen und 3,06 bei den Juden (Lombroso). In London soll die durchschnittliche Lebensdauer bei den Christen 39, bei den Juden 49 Jahre betragen. Die Sterblichkeitsziffer bei den jüdischen Kindern zwischen 1 und 5 Jahren wird mit 10%, die der christlichen mit 14% berechnet. Ripley („The races of Europe", New York 1899 p. 383) machte die folgende vergleichende Aufstellung: Für zwei Gruppen von je 100 neugeborenen Kindern, die eine jüdischen, die andere allgemein-amerikanischen Ursprungs, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Hälfte der amerikanischen Kinder in 47 Jahren gestorben sein wird gegenüber einer Zeitdauer von 71 Jahren bei den Juden. Wenn wir die Statistik der Lebensdauer in New York für die letzten 6 Jahre daraufhin prüfen, so finden wir, ungeachtet der in hygienischer Beziehung ungünstigsten Umgebung, die niedrigste Sterblichkeitsziffer bei den Russen und Polen, von welchen die meisten Juden sind. Und auf Grund anderweitiger Bemerkungen kann man schliessen, dass der Unterschied noch grösser wäre, wenn man die Nichtjuden dieser Kategorien aus der Berechnung ausscheiden könnte. Billings konstatiert, dass ein jüdisches Kind von 5 Jahren nach durchschnittlicher Rechnung 62 Jahre alt wird gegen 53 Jahre, auf welche der durchschnittliche Amerikaner von Massachusetts rechnen kann. Einem Juden von 25 Jahren steht ein Leben von noch 45 Jahren bevor, gegen 39 für einen gleichaltrigen Amerikaner. Ich habe nicht gewusst, dass bei den Juden die Zahl der Heiraten und Geburten geringer ist als bei den Nichtjuden, sondern hätte eher geglaubt, dass das Gegenteil zutreffend sei. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Fruchtbarkeit der Juden mit Recht sprichwörtlich sei, obgleich mir eine ziffernmässige Bestätigung fehlte. Billings aber citiert J. Jacobs, welcher (im rJournal of the Anthropological Institut" NV. 1885/86 p. 26) konstatiert, dass bei den Juden die Zahl der Eheschliessungen, der Geburten und der Todesfälle niedriger ist als bei ihren Nachbarn, und dies stimmt mit den Resultaten überein, die für die Vereinigten Staaten gefunden wurden. Nach einer Untersuchung der Statistik von 10 618 jüdischen Familien in den Vereinigten Staaten (60 630 Personen) weist Billings nach, dass die Zahl der Geburten per 1000 (20,81) um zwei niedriger war als die Durchschnittszahl der Geburten in der Gesamtbevölkerung. Die Ziffer der Geburten, verglichen mit der Zahl der Frauen gebärfähigen Alters, betrug 72,87 per Tausend gegen 82,9 resp. 86 in Massachusetts und Rhode Island. Aehnliche Verhältnisse zeigt die Statistik in vielen europäischen Ländern, wo Juden in grosser Anzahl leben. Die Zahl der Eheschliessungen unter den Juden In den Vereinigten Staaten ist eine sehr geringe, näm- Lich 7,4 vom Tausend, während ihre durchschnittliche Ziffer bei der Gesamtbevölkerung in den nordöstlichen Staaten sich ' zwischen 18 und 22 vom Tausend bewegt. Das Durchschnittsalter beim Eheschluss ist bei den Juden höher als bei der Gesamtbevölkerung. Die niedrige Ziffer der Eheschliessungen und das durchsicliDittlich höhere Heiratsalter sind die Hauptursachen für die geringere Zahl der Geburten. Die Fruchtbarkeit der in den Vereinigten Staaten

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