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Ost und West · 1901-05-01 · Heft 5 (Mai 1901) · p. Seite 389 - 390

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 5 (Mai 1901)
Article
Revue der Presse
Date
1901-05-01
Page
Seite 389 - 390 (sequence 1)
Language
German
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389 REVUE DER PRESSE. 390 mmty Im, m«wuw< x&ttcmm l ^WYM^^^JMM Zu dem Antworttelegramm des Deutschen Kaisers auf die Ergebenheits-Depesche des Delegiertentages Deutscher Zionisten registrieren wir die folgenden beiden Pressstimmen: Kölnische Zeitung (4. Mai): Der Delegiertentag hatte auch eine Ergebenheits-Depesche an den Kaiser abgesandt, worauf folgende Antwort an den Präsidenten, Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer, einlief: „Seine Majestät der Kaiser und König lassen dem Delegiertentag der Zionistischen Ortsgruppen Deutschlands für den Huldigungsgruss danken. Auf Allerhöchsten Befehl der Geheime Kabinetsrat v. Lucanus." Deutsche Tageszeitung, Berlin (7.Mai): „Die Zionisten haben den Kaiser antelegraphiert und Herr v. Lucanus hat in knappstem Stile namens des Herrschers für den Huldigungsgruss gedankt. Wir sollten meinen, dass die jüdische Presse gar keine Veranlassung hat, in einen grossen Jubel über dieses Ereignis auszubrechen, denn die Zionisten erstreben bekanntlich die Begründung eines jüdischen Staates in Palästina und somit die Auswanderung der Juden aus Deutschland (!). Wir können nach dem Telegramm annehmen, dass der Kaiser damit sehr einverstanden wäre und eine Verwirklichung der zionistischen Pläne in möglichster Ausdehnung wünschte. Leider aber steht diese Verwirklichung in unabsehbarer Ferne." Berliner Börsen=Courier (3. Mai): Ueber tausend Personen hatten sich am Mittwoch Abend zu einer Kundgebung in der Viktoria-Brauerei vereinigt. Der aus Anlass des zionistischen Delegiertentages in Berlin weilende Sir Francis Montefiore-London, ein naher Verwandter Moses Montefiores, referierte über „Die Entwickelung des Zionismus**. Der Korreferent Dr. Bodenheimer - Köln bedauerte das Nichtzustandekommen des Judentages. In der Diskussion trat Pastor Faber als begeisterter Anhänger des Zionismus auf, den er der Sympathie vieler Christen versichern zu können glaub ti* Auf die Ritualmordbeschuldigung eingehend, erklärte der Redner, er hätte zwanzig Jahre Talmudstudien getrieben, alle jüdischen Religionsschriften durchforscht und nicht die leiseste Andeutung, nicht die geringste Spur für das Vorhandensein eines jüdischen Blutaberglaubens gefunden. Die Anschuldigung des Rilualmordes sei ein Märchen, eine schändliche Lüge, die leider durch eine Suggestion noch immer auf die Masse ihre Wirkung nicht verfehle. Er erinnere daran, dass in den 1840 er Jahren bei der Blutbeschuldigung von Damaskus Domprediger Veith im Stephansdome auf das Kruzifix einen Schwur geleistet, dass es niemals einen jüdischen Ritualmord gegeben habe; das sei ein echter Hofprediger gewesen. Die grässliche Anklage gegen die Juden hätte ebensowenig Berechtigung als die ganz gleiche Anschuldigung fanatischer Chinesen gegen die christlichen Missionare. (Lebhafter Beifall) Eine Resolution zu Gunsten des Judentages wird angenommen. Die „Berliner Zeitung" meldet: Rom, 4. Mai. Deputiertenkammer. Auf eine Anfrage des Deputierten Delbalzo erwiderte der Unterstaatssekretär des Auswärtigen, de Martiuo, die türkische Regierung habe zweimal im Jahre 1900 bei den Vertretern der fremden Mächte in Konstantinopel um deren Intervention nachgesucht, um die Niederlassung ausländischer Israeliten auf türkischem Gebiet zu verhindern. Die fremden Missionen hatten das erste Mal geantwortet, dass sie den geforderten Massnahmen nicht zustimmen könnten. Auf die zweite Anfrage hätten sie überhaupt nicht geantwortet, mit Ausnahme der italienischen Botschaft, welche der türkischen Regierung in klaren Worten bedeutet habe, dass die italienische Regierung sich mit den gewünschten Massnahmen nicht einverstanden erklären könne, da sie den zu Recht bestehenden Grundsätzen widersprächen, welche es nicht zuliessen, dass in religiöser Hinsicht ein Unterschied zwischen italienischen Staatsbürgern gemacht würde, die nach dem Auslande reisten. Die Frage scheine damit erledigt. Sollte sie nochmals auf die Tagesordnung gebracht werden, was anzunehmen man keinen Anlass habe, so würde die Regierung sich auch weiter auf der bisher eingeschlagenen Linie in Einklang mit den übrigen Mächten bewegen. (Beifall.) Die „Frankfurter Zeitung" berichtet am 1. Mai aus Rumänien. Mit dem Rücktritte des Ministeriums Carp und der Berufung eines Kabinetts der nationalliberalen Partei sind selbstverständlich auch die Projekte des früheren Ministerpräsidenten betreffs Regelung der Rechtsverhältnisse der fremden Glaubensgenossenschaften im Lande von der öffentlichen Tagesordnung abgesetzt und die diesbezüglich bereits gemachten Vorarbeiten auf unbestimmte Zeit dem Aktens taube überantwortet worden. Wenn auch die Regierung Sturdza's bisher noch keine Massregeln ergriffen hat, um die unter dem Ministerium Carp zu Gunsten einer Wiederherstellung der Aufenthaltsberechtigung der einheimischen Israeliten in den Dörfern erlassenen Verordnungen ausser Kraft zu setzen, so ist doch von derselben nichts zur Linderung der Notlage der armen Judenschaft im Lande zu erwarten. Diese Notlage, welche im Frühling des vorigen Jahres zu einer die Aufmerksamkeit der ganzen civilisierten Welt erregenden Auswanderungsbewegung geführt hat, würde sich aber seitdem . keineswegs vermindert, sondern verschärft haben, wenn sich nicht die grossen israelitischen Wohlthätigkeitsvereine des Auslandes nach den traurigen Erfahrungen der Vorjahre mit anerkennenswerter Umsicht und Freigebigkeit ihrer unglücklichen Glaubensgenossen in Rumänien annehmen würden. Namentlich ist die gewöhnlich mit ihren Anfangsbuchstaben als „Ica" bezeichnete „Jewish-Colonisation-Association" mit

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