Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- Das Heimatrecht in Rumänien
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 345 - 346 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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345 Georg Brandes: Das Heimatrecht in Rumänien. 346 einer einzigen Minute drang er nun tiefer in die rumänische Volksseele ein, als während seines ganzen früheren Lebens. — Ach, die Herrlichkeit währte nicht länger als genau 24 Stunden. Der Justizminister hatte das Gesetz sofort an die Kammer zurückgeleitet, unter dem Vorwande, es wäre nicht in beiden Abteilungen des Reichstages in ein und derselben Session angenommen worden — ein Umstand, der in der Geschichte Rumäniens noch niemals als ein Hindernis gegolten hatte. Die Kammer legte die Sache zurück, verschob sie erst auf den letzten Tag der Session, den 3. April 1900, und vertagte sie sodann auf die nächste Session. Doch noch ehe die Kammer neuerdings einberufen wurde, hob Take Jonescu, der seine Gesinnung inzwischen geändert hatte, das Professorat der vergleichenden Philologie, das Sainean's einzige Zukunftshoffnung bildete, weil er der einzige Spezialist Rumäniens auf diesem Gebiete war, an der Universität von Bukarest auf. Er stand nun im Alter von 40 Jahren und fühlte . seine Kräfte nach den langjährigen Entbehrungen, den vielen Niederlagen und Enttäuschungen erschöpft. Der Minister selbst hatte zu ihm gesagt: „Sie sind der einzige Philologe unter den Jüngeren; es ist eine Anomalie, dass Sie nicht naturalisiert sind.4' Er war sich dessen wohl bewusst, dass eine neuerliche Niederlage seine Zukunftshoffnungen in seinem Vaterlande für immer zerstören würde, hielt eine solche jedoch nicht für möglich. Als aber seine Sache neuerdings zur Verhandlung kommen sollte, eröffnete das antisemitische Blatt „Die nationale Verteidigung" einen wahren Kreuzzug gegen ihn, und die Folge war, dass am 15. Dezember 1900 die Kammer, die ihm 4 Jahre früher das Indigenat erteilt hatte, das Gesetz über dasselbe mit 48 gegen 45 Stimmen verwarf. So hat nun einer der ersten Gelehrten Rumäniens, notgedrungen und brotlos, seine Heimat verlassen, um im Auslande Zuflucht zu suchen. Er erklärt öffentlich, dass er in dem fortgesetzten Studium der rumänischen Sprache, dem er so eitrig obgelegen, Trost für den Verlust seines Vaterlandes suchen werde. T Sakkieh. Wasserschöpfrad am Nil. Originalzeichnung von Rabes.