Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- Die Zukunft des Orients
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 327 - 328 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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327 B. Ebenstem: Die Zukunft des Orients. 328 ,Ja, aber das türkische Einwanderungs- Verbot," wird iran einwenden. Nun, dieses türkische Einwanderungs-Verbot ist das Schreckgespenst, mittels dessen sich diejenigen einschüchtern lassen, denen es an der Kenntnis der realen Verhältnisse des Morgenlandes gebricht, und gleichzeitig ist es das Mittel, dessen sich — in gleicher Weise — die Poseure wie die Gegner der orientalischen Lösung der Judenfrage bedienen. Der Orient ist uns nicht verschlossen, sondern fast ausschliesslich Palästina und selbst von diesem Lande nur der grössere Teil, nämlich soweit es direkt unter türkischer Herrschaft steht. Dagegen stehen uns offen: derjenige Teil des alten Palästina, der heute unter ägyptischer Herrschaft steht,1) Kyrene, das im Altertum schon eine starke jüdische Bevölkerung hatte, heute politisch zu Tripolitanien gehört und aller Voraussicht nach in wenigen Jahren einen Auischwung nehmen wird wie etwa Tunis, das eigentliche Unterägypten und Cypern, welches zu unseren historischen Zeiten mehrmals jüdisch war und heute unter englischer Administration steht, die uns freundlich gesinnt ist. Ausser diesen Ländern, die, wie gesagt, zur alten Heimat des jüdischen Volkes gehören, und in denen heute einer plänmässigen jüdischen Besied elung absolut nichts im Wege steht, kommen für den Zweck einer Ableitung der Judenwanderung von dem überfüllten Westen noch die grossen Gebiete von Kleinasien und Mesopotamien in Betracht, woselbst die ottomanische Regierung eine jüdische Einwanderung nicht nur gern sehen, sondern sogar nach Kräften unterstützen wird. Diese Schlüsse zu ziehen sind wir wohl nach dem grossmütigen Verhalten berechtigt, welches Se. Majestät der Sultan sowohl, wie die Regierung den rumänischen Ansiedlern in Anatolien im letzten Jahre bezeigten (s. a. Seite 199 u. 200 dieser Zeitschrift). * * * J) S. Artikel: „Ein vergessenes Stück Palästina" in No. 1 von Ost und West. Es bleibt uns noch übrig, für diejenigen, die bei der Frage geeigneter Auswanderungsgebiete für die osteuropäischen Juden nicht nur Nützlichkeits-Argumente gelten lassen, sondern auch die Weltanschauung dieser unserer Stammesgenossen berücksichtigen wollen, nachzuweisen, wie sehr diese gleichfalls für die bezeichneten Gebiete spricht. "Wir haben schon darauf hingewiesen, dass die genannten Gegenden des Orients einen Teil der alten Heimat des jüdischen Volkes ausmachen, welches zu seinen Blütezeiten sich jedesmal weit über die Grenzen des eigentlichen Zwölfstämmegebietes ausdehnte und einen wesentlichen Bestandteil der Bevölkerung nicht nur der Länder, die heute zum türkischen Orient gehören, sondern auch vieler anderer bildete. Hierüber giebt uns — neben zahlreichen Stellen in Bibel und Talmud, sowie in römischen und griechischen Quellen — in umfassender Weise unser Philo von Alexandrien Auskunft, mit dessen Citat aus der „Gesandtschaft an den Cajus" wir diese Ausführungen schliessen. Er sagt dort:*) „Jerusalem ist meine Vaterstadt und die Hauptstadt nicht bloss von Judäa, sondern von so vielen anderen Ländern wegen der Kolonien, die wir von Zeit zu Zeit in die benachbarten Länder, nach Aegypten, Phönicien, Syrien, sowohl in dessen übrigen Teil als auch in denjenigen, welcher Cölesyrien genannt wird, ausgeschickt haben, ebenso in die entfernteren Länder, Pamphylien, Cilicien, die meisten Teile von Asien bis nach Bithynien und das Innerste von Pontus, auch nach Europa, Thessalien. Böotien, Macedonien, Aeolien. Attika, Argos, Korinth und in die meisten und vornehmsten Teile des Peloponnes. Auch sind nicht nur die festen Länder mit jüdischen Kolonien angefüllt, sondern auch die vornehmsten und berühmtesten Inseln, Euböa Cypern, Kreta. Ich übergehe die jenseits des Euphrat gelegenen Provinzen; mit Ausnahme einiger wenigen werden alle diese, wie Babylon und die weiter hinauf umliegenden Herrschaften, welche die fruchtbarsten Ländereien haben, von den Juden bewohnt." J) In der Eckhard'scbeu Uebcrsetzung (Leipzig 1883) S. 117