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Ost und West · 1901-04-01 · Heft 4 (April 1901) · p. Seite 273 - 274

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 4 (April 1901)
Article
Aus den "west-östlichen Schwalben"
Date
1901-04-01
Page
Seite 273 - 274 (sequence 2)
Language
German
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273 Ludwig Wihl: Gedichte. 274 Ohne Land und ohne Thron Irren seit zweitausend Jahren Wir weitab vom Libanon Unter Leiden und Gefahren. Mittelalterliche Elegie. Und der Väter teures Land Ist den Söhnen fremd geworden. Keine Palme wehet hier DufVge Kühlung, wenn wir beten, Kein Altar, kein Opfertier! Priester fehlen und Propheten! Wo die Hütte Jakob's stand, Lagern jetzt nur wilde Horden, Selbst der Sprache heii'ger Laut, Ach, er ist uns längst verklungen, Harfe David's, süss und traut, Deine Saiten sind zersprungen! Nur ein Schatten alter Pracht Schleppen wir uns mühsam, bange, Um uns herrschet finstre Nacht, Juda's Stern, was bleibst du lange? von Israel 1. Mosaischer Konfession. Ich bin mosaisch, was kann ich dafür? Ich bitte, nehmt es nicht übel. Ich liebe den Schinken vom Borstentier Und hasse Knobel und Zwiebel. Ich trag' einen ganz europäischen Rock Und habe blonde Bekannte, Bei Christen prang' ich als Tafelschmock, Und Witze mach' ich charmante. Nicht bin ich ein Jude, die Konfession, Die ist nu mosaisch leider: Doch bin ich Teutone, ich heisse Cohn Und bin ein teutonischer Streiter. Ich sammle Geld für den deutschen Verein, Mich hat man nicht aufgenommen, Doch streicht man das Geld stets dankend ein, Sagt: Heil! Kannst wiederkommen. 2. Pfefferkorn. S'ist viel Gemeines aul der Welt, Gemein'res nicht als der Verräter, Der feile Schurke, der um Geld Die Ehre schändet seiner Väter. Ja, Pfefferkörner, ihr seid bitter, Brennt auf der Zunge und im Magen: Mög' Euch ein heilig Ungewitter Ins Pfefferland, zum Teufel jagen. brahamsohn. 3. Judaeus sum. Ich bin ein Jude, und ich kann's vertragen, Wenn alte Weiber keifend uns verklagen. Ich kann's ertragen, wenn uns Lumpen schmälen; Ich möchte Lumpen nicht zu Freunden zählen. Ich trag' es, wenn uns Ehrenmänner hassen; Wer uns nicht lieben mag, der mag es lassen. Ich trag' es, wenn die meisten uns verachten, Die wenigsten als Menschen uns betrachten. Mag uns die ganze Welt umbrüllen: Jud'i — — Ja JudM Der Juden Volk ist gut! 4. Israel chez les nations. Wenn ich die bunte Welt betrachte Und wäge jedes Volkes Preis, Gefällt mir eines wohl vor allen, Von dessen Ruhm die Welt nicht weiss.. Nicht weiss die Welt von seinem Ruhme, Sein Ruhm durchzieht der Sterne Reih'n, Der Erdenvölker Ruf ertönet Durch dieser Erde Feld und Hain. Sie rühmen sich, der Erde Völker, Und lachend höhnen sie: „Und du, Wer bist denn du, wer deine Thaten, Du Flüchtling ohne Heim und Ruh?" Und Juda blickt zum hohen Himmel, Zum lichterfüllten Weltenraum: „Ich bin des Weltengeistes Bote Und gab euch einen Weltentraum <S5r^

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