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Ost und West · 1901-04-01 · Heft 4 (April 1901) · p. Seite 271 - 272

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 4 (April 1901)
Article
Aus den "west-östlichen Schwalben"
Date
1901-04-01
Page
Seite 271 - 272 (sequence 1)
Language
German
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271 272 & Hus den „<Heft-örtlichen Schwalben". & Vou Ludwig Wihl. Ihr Schwalben, die ihr, wenn es eist und schneit. Ihr Schwalben, die ihr, wenn es eist und schneit Das Morgenland besucht, das sonnigsüsse, O bringt, wenn unweit ihr von Salem seid, Ihm meinen Selam bester Herzensgrüsse! Sagt ihm, ich möchte gar zu gerne seh'n Das schöne Land der kindlich frommen Sage, Indess ich hier, wo kalte Stürme weh'n, Vertrauern muss die grauen Wintertage. Orient un Was ist für mich der Orient? Ein altehrwürdig Grab, Zu dem ich gern, war' mir's vergönnt, Zog' mit dem Wanderstab. Ich suchte dann nach Sängerbrauch, Wo einst ein Seher stand; Doch reichte ich von dorten auch Dem Vaterland die Hand. Fand' Palmen ich und Eichen da, Ging ich zur Eiche hin Und glaubte mich dem Lande nah, Wo ich geboren bin. Die ihr mich einen Juden nennt, Ihr kennt den Juden schlecht, Drum sprecht mir nicht vom Orient, Sprech' ich von meinem Recht! Wie beneid' ich deren Los, Die in Babel weinten, Die im Unglück stark und gross Sich in Eintracht einten! Die der Väter uralt Wort Im Exil verehrten Und sich sehnend immerfort Nach Judäa kehrten. Babels Flüsse. Die vertrauend ihrem Gott In die Zukunft schauten, Nie vor ihrer Feinde Spott Bebten und ergrauten. Ihre Harfe hingen sie Schweigend an die Weiden, Da erstarb die Melodie Ihrer tiefen Leiden. Nimmer hat, o Babel, dich Juda's Lied erfreuet, Eher hätte jeder sich Frei dem Tod geweihet. Wie beneid' ich deren Los, Die in Babel weinten, Die im Unglück stark und gross Sich in Eintracht einten. Die Pilgerschaft. Vierzig Jahre reich an Leiden, vierzig Jahre reich an Sollen wir denn nimmer rasten von der Wiege bis Schrecken, zur Bahre? Sind die Väter einst gezogen durch der Wüste nackte Träfe einst mich auch wie Moses sterbend erst die Strecken, Siegeskunde, Bis der Stamm, der wandermüde, ganz und gar war Grüsste jubelnd mit den Brüdern ich die gottverheiss'ne ausgestorben, Stunde; Nachgewachsen war ein and'rer, lebensfrisch und un- Selbst im Sterben sang' ein Herold ich mein Lied verdorben: dem Freiheitslenze, Herr, wir wandern lange, lange, länger als zweitausend Bis sie mir mein Grab bereitet an des neuen Reiches Jahre, Grenze! Glaub ensb ekenntnis. Wir stammen ab von einem Baum Mit weit verzweigten Aesten, Dess Wurzeln tief im Morgenland, Dess Zweige weit im Westen. Wir nennen unsren Herrn und Gott Den Höchsten und den Besten, Den einst mit uns verehren wird Der Osten uud der Westen!

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