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Ost und West · 1901-04-01 · Heft 4 (April 1901) · p. Seite 255 - 256

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 4 (April 1901)
Article
Die Kunst in ihrer Anwendung auf die Gebräuche der Juden
Date
1901-04-01
Page
Seite 255 - 256 (sequence 2)
Language
German
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255 Prof. Dr. D. Joseph: Die Kunst in ihrer Anwendung auf die Gebräuche der Juden. 256 liehen Altertümern erfahren. Ich rechne hierzu gestickte Vorhänge, Thora- und Megillohrollen mit Miniaturen, ferner, welch herrliche Gestaltungen bemerken wir oft an den fein ciselierten Kronen der Thorarollen und noch mehr an den prachtvollen Schilden. Auch die Handzeiger (Jad) lassen vielfach Formen von ausgesuchter Schönheit erkennen, während die Pokale und Riechbüchsen nicht selten wahre Perlen der Gold- und Silberschmiedekunst sind. Die Leuchter und [Hängekronen zeigen oft Bildungen von höchstem Reiz, und die Almemmordecken, namentlich die an den hohen Festtagen benutzten, wetteifern in ihren kunstvollendeten Stickereien mit den gleichzeitigen christlichen Messgewändern an Reichtum und Eleganz. Schliesslich möchte ich einen mich schon lange bewegenden Gedanken aussprechen, obwohl ich mir bei dem schier unglaublichen Indifferentismus mancher jüdischen Kreise über die Schwierigkeit seiner Durchführung nicht im unklaren bin: Ich meine die Errichtung von Museen jüdischer Altertümer. Ich halte solche Anlagen für wünschenswert nicht nur aus allgemein kulturellen Gründen, sondern vornehmlich deshalb, weil hier ein passendes Mittel zur Belehrung unserer Jugend, von der doch am Ende die Zukunft des Judentums abhängt, geboten ist, das nicht minder wichtig für die Gemütsbildung ist, als nur irgend eine sonstige Erziehungsinstitution. Dass auch das Selbstbewusstsein der Erwachsenen |in edelstem Sinne beeinflusst werden würde, erscheint mir unzweifelhaft. Im Interesse der Zugänglichkeit für möglichst viele Personen halte ich auch hier wie bei der lnventarisation eine Decentralisation geboten. Ueberhaupt wird wohl am passendsten die Museumsfrage mit der Idee der lnventarisation Hand in Hand gehen müssen, da hier wie dort in der Regel dieselben leitenden Personen in Frage kommen werden. Natürlich werden die grossen oder alten Gemeinden dabei den wünschenswerten Anfang machen müssen. Im Beginn wird ein solches Antiquarium kaum seinem Namen gerecht werden, aber man wolle bedenken, dass sich auch unsere grossen Landesmuseen oft erst aus recht kleinen Anfängen entwickelt haben. Hier wäre den vielen nunmehr vorhandenen Litteraturvereinen, sowie der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler ein vorab unermesslicher Spielraum für dankens- und segenswerte Thätigkeit geboten. Allerdings müsste diese Gesellschaft sich einer gründlichen Reform unterwerfen und in allererster Reihe den jährlichen Beitrag auf ein Minimum ermässigen, damit auch der weniger Bemittelte sein Scherflein zur guten Sache beitragen könne und dieses Institut populär werde. Sollte für das neu einzurichtende Museum jüdischer Altertümer ein Raum von Gemeinde wegen nicht zu haben sein, so beginne man mit der Aufstellung in dem Provinzial- oder Kunstgewerbe-Museum, das den willkommenen Fund gern jederzeit sichtbar aufstellen wird. Was, in unserem Sinne gesprochen, dauernder Fleiss im Verein mit unentwegtem Interesse zusammenzutragen vermag, beweist die Rothschildsche Sammlung jüdischer Altertümer im Pariser Musee Cluny. Obwohl in räumlicher Beziehung den Umfang eines gewöhnlichen zweifenstrigen Zimmers nicht überschreitend, birgt das einzig in seiner Art dastehende Antiquarium Schätze von äusserst seltenem Wert. Die Veröffentlichung neuer Funde wird, wo es sich um Stücke einer bekannten und landläufigen Gattung handelt, in den jüdischen Wochenschriften erfolgen können, wertvollere Gegenstände bedürfen jedoch unter allen Umständen der Veranschaulichung im Bilde, und da haben dann Organe wie „Ost und West" oder die Mitteilungen der genannten Frankfurter Gesellschaft eine hohe Mission zu erfüllen. Daneben wäre es wünschenswert, dass, wo der Text sich umfangreicher gestaltet, die Broschürenform gewählt werde. Wie ich mir die Behandlung des Stoffes im einzelnen denke, davon werde ich in den nächsten Nummern dieses Blattes einige Beispiele geben, wobei mit den Tempelbauten in Jerusalem dei natürliche Anfang gemacht werden soll. -*5%U^

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