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Ost und West · 1901-03-01 · Heft 3 (März 1901) · p. Seite 201 - 202

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 3 (März 1901)
Article
Zur rumänischen Judenfrage
Date
1901-03-01
Page
Seite 201 - 202 (sequence 3)
Language
German
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201 Zur rumänischen Judenfrage. 202 Das beste Haus der Kolonie. — mit verschwindenden Ausnahmen alle so absolut besitzlos wie die ersten. Und als immer neue Scharen sich auf den Weg machten nach dem Lande, in dem man nicht verschlossene Thüren, sondern freundliche Aufnahme und Ackerboden und Brot finden sollte, da musste die ottomanische Regierung, an deren schwache Kassen diese Immigration bedeutende Anforderungen stellte, die Grenze sperren und die weitere Einwanderung verbieten! — — Hätte sich zur rechten Zeit auch bei Juden ein Interesse für die armen Kolonisten gezeigt, hätte man die Summen, die im letzten Sommer zur Weiterbeförderung und zum Rücktransport der paar Hundert rumänischer Juden, die damals „die Landstrassen Europas füllten" und die Millionenstädte (London) „überschwemmten" — hätte man die Summen, die damals so verwendet wurden, ein paar Monate früher in nutzbringenderer Weise den anatolischen Kolonisten zukommen lassen, so stünde heute wohl den wandernden Juden nicht nur Rumäniens ein nahes, günstiges und vor allem zukunftsreiches Immigrationsgebiet offen! So aber hat man sogar von massgebender Seite verhältnismässig wohlhabenden Gruppen rumänischer Juden, Leuten, die ihr Ackerland kaufen und mit eigenen Mitteln bearbeiten wollten und konnten, jeden Mut benommen! Sie wurden gewarnt, man werde schliesslich mit ihnen verfahren, wie man mit den Armeniern verfahren sei. Diese ewige englische Fabel von den armenischen Greueln! Ich wünschte, unsere verfolgten Brüder wären in der Türkei und würden behandelt wie die Armenier, die zu allen Staatsämtern zugelassen und oft genug bevorzugt wurden und denen erst nach zahlreichen Provokationen, nachdem sie die Bank gestürmt und Bomben in die Strassen von Konstantinopel geworfen hatten, eine Züchtigung zu teil wurde* * * * Die Illustrationen zu diesem Artikel sind Bilder aus den rumänisch-jüdischen Kolonien in Anatolien. Die Armut und die Bedürfnislosigkeit der Kolonisten gehen daraus hervor. Es mag hinzugefügt werden, dass dieses Menschenmaterial sich vorteilhaft von den Juden mancher anderer Emigrationsgebiete unterscheidet. Die rumänischen Juden sind ein kräftiger und selbstbewusster Menschenschlag, Leute von grosser Geschicklichkeit und Anpassungsfähigkeit; viele von ihnen sind auch mehr oder weniger mit landwirtschaftlichen Arbeiten vertraut. Heute sind die anatolischen Kolonien, die so schöne Möglichkeiten geboten hatten, in der Auflösung begriffen bis auf einige kleinere Gruppen, die hauptsächlich durch private Initiative über Wasser gehalten werden. Das Gros der Kolonisten wird teilweise nach Rumänien zurückgeschickt, teils nach, den herkömmlichen Auswanderungsgebieten weiterbefördert. * * * Die herkömmlichen Auswanderungsgebiete. ---Länder, in die nach der wohlbegründeten Ueberzeugung der dort schon lebenden Juden eine weitere Immigration die grössten Gefahren bringen würde, sowohl für die Ansässigen, wie auch für die neuen Ankömmlinge — — Länder^ die Tausende von Seemeilen von dem heutigen Schauplatz des Judenelends entfernt liegen und die schon der hohen Ueberfahrtskosten wegen selten für nennenswerte Gruppen und noch weniger für die grosse Masse der ganz Mittellosen in Betracht kommen können. Wie wenn wir ein Interesse daran hätten, die von den Völkern des Altertums begonnene Zerstreuung Israels vollständig zu machen, so scheint die bisherige jüdische Emigrations-Politik die krankhafte Tendenz zu haben, das Judentum in feinster Verteilung aufzulösen. Gebiete, in denen die anderwärts vertriebenen Juden sich zu einem wesentlichen Bestandteil der Bevölkerung gruppieren könnten, werden fast ängstlich gemieden, und das Ideal dieser sonderbaren Politiker scheint es zu sein, an möglichst vielen Orten der bewohnten Erde je eine, höchstens zwei oder drei jüdische Familien ansässig zu machen! Im Bau begriffene Uiitte.

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