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Ost und West · 1901-03-01 · Heft 3 (März 1901) · p. Seite 187 - 188

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 3 (März 1901)
Article
Der deutsch-jüdische Jargon und seine Litteratur
Date
1901-03-01
Page
Seite 187 - 188 (sequence 5)
Language
German
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187 Fabius Schach: Der deutsch-jüdische Jargon und seine Litteralur. 188- Das Erwachen des Nationalgefühles, das trostvolle Hoffen auf Erlösung, die glühende Sehnsucht nach Glück und Freiheit, — sie mussten einen kräftigen Widerhall in der Jargonlitteratur finden. Das Volk besann sich auf sein besseres Selbst, es hörte auf nachzuahmen und nachzuäffen, es zeigte sich überall mehr eigene Kraft und eigener Stolz. Man fing an, das jüdische Leben in all seinen Nüancen zu studieren und die Volkspsyche zu erforschen. so schnell verschwinden. Wie die Juden Russlands; überhaupt sittlich und geistig höher stehen als ihre Leidensgenossen in Galizien, so ist auch ihre Litteratur und ihre Presse eine höher zu beweitende. In England erscheinen einige Jargonzeitungen, die aber nur lokale Bedeutung haben. In Amerika giebt. es eine ganze Anzahl jargonischer. Zeitungen. Alle politischen und geistigen Richtungen sind darin vertreten^, von der orthodoxen und zionistischen bis zur sozialistischen und anarchistischen. j — ml in. i~ Krakau. 3. rWn.b«r 1 .;-st;sss).» .-arapyco Jivcs .-n jsny säv. tDTNHrt« .Tteiye» iis etyor r:~iv <i . .pnw a jj .»"j;^ yr-ir -im: ,v .crva^ 73"5^s'B : (i) -iS.« n«- rmwix K* : •* •W»»'*» .IFJtOTS <r In Westeuropa kann man den Umfang, wenn auch nicht die Tiefe einer Sprache nach der Grösse ihrer Presse beurteilen. Beim Jargon kann man diesen Massstab nicht anlegen. Denn er hat seinen Hauptsitz in Russland, wo der Gründung und der Herausgabe einer Zeitung, namentlich einer jüdischen, unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstehen. Man darf nicht vergessen, dass Russland mit seinen 5 Millionen Juden überhaupt nur vier jüdische Organe, zwei russische und zwei hebräische, besitzt. Gäbe es im Zarenreiche Pressfreiheit, oder wenigstens freie Konzessionen für Zeitungsgründungen, so hätten wir heute in Russland mindestens 5—6 jargonische Zeitungen. So aber giebt es nur eine, die dazu noch in Krakau gedruckt werden muss. Ich meine die Wochenschrift „Der J u d:', die von der rührigen Verlagsgesellschaft Achiassaf *4 in Warschau herausgegeben und von Dr. J. Lurie ausgezeichnet redigiert wild. Ich kenne keine jüdische Zeitung in deutscher Sprache, die den Vergleich mit dieser Zeitschrift aushalten könnte. Sie ist frisch, originell, zielbewusst, objektiv, vielseitig und unabhängig. Der Redakteur hat es verstanden, einen Stab der besten Dichter und Publizisten um sich zu scharen, und das Blatt ist ein hervorragender Kulturträger der russischen Judenheit. In Wien erscheint seit lx/2 Jahren eine Jargonzeitung unter dem Namen „Die Welt". Aber sie ist nicht die russisch-jüdische Welt. Sie ist jargon geschrieben, aber häufig zu sehr wienerisch gehalten, um originell sein zu können. Ein Westeuropäer im Kaftan ist keine glücklichere Figur als ein Ghettojude im Frack. In Budapest erscheint eine jargonische Tageszeitung, und in Galizien tauchen fast jedes Jahr neue jargonische Zeitungen auf, die aber eben w •rot (BBR JUM) lyosnyora yenv jftK «• fviv er*tny r> .RnpKip .p-B •rpna apr •.vmr* t Tofcxytwr, «K«u I. Bai. : v'riFa Stritt .AUiwiaf" Berlin, zu Hintan Charlotteabury, " ' S TJKS'J W> VW* PO«* is»':' : ryv:KiK n : xpsnp T« AdninMratioa .OER MOE-. Krakau, Matalagatta 45, :str-ixn ]-n Varia« JlcWaaaf. Waracbau. Poitklata »r 25, «SboKcr: Twarca 6, Thür IL „Der Jud". Hervorragende jüdisch-deutsche Wochenschrift. Erscheint im Verlag „Achiassaf' (Warschau). Hat dieser Jargon eine Zukunft? Man hat ihn lange Zeit nur für eine Zwischenstufe gehalten, die zu überwinden wärer für eine Leiter, um die allgemeine Kultur zu erklimmen. Mit dem Erwachen des Verständnisses für individuelles Leben, und Schaffen schwindet allmählich diese irrige Ansicht. Mit der Höhe jeder künstlerischen Auffassung ist die Liebe zum Schlichten, zur Volkspoesie und zur Natur verbunden. Je höher sich die Juden als Volksindividuum entwickeln, destogrösser wird die Zukunft des Jargons werden. Wenn manes als selbstverständlich voraussetzt, dass die Sprache der Zukunft in einem etwaigen jüdischen Staatswesen nur die hebräische sein kann, so ist das eine trockene, rationalistische Auffassung ohne psychologische Vertiefuno-. Eine Sprache kann nicht gemacht muss wachsen 'und gedeihen wie alles Das Hebräisch der Gegenwart ist trotz er™ .rcjn «« „isjn r» 3Hii o iv;.n-ie jTVBrxn a .artiy;*» •;ep,?s«B n "„•co-ar-oina"* in c ^royn« \\s .-p-o n werden, sie Organische. aller Fortschritte der letzten 20 Jahrejnoch immer gar zu sehr Buchsprache und nur ein Gut der Intelligenz. Von diesem Stadium bis zu einer modernen Umgangssprache ist ein gar weiter Weg. Es dürfte viel leichter sein, den Jargon zu einer veredelten Kultursprache zu erheben, als das Hebräische zu einer lebendigen Sprache zu machen. Liier fehlt nur die Verfeinerung, die Normierung, die mit der Erweiterung der Begriffe von selbst kommt. Dort fehlt noch die Hauptsache: das Lebenselement. Dazu kommt noch ein wichtiger Faktor. Das Hebräische wird Staden Völkern des Occidents fremd bleiben, währt na der Jargon sehr leicht zu erlernen ist. Das kommt für ein Volk, das Handel und Industrie treiben und modernen Verkehr pflegen will, sehr in Betracht. Der

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