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Ost und West · 1901-02-01 · Heft 2 (Februar 1901) · p. Seite 151 - 152

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 2 (Februar 1901)
Article
Zweierlei Maß
Date
1901-02-01
Page
Seite 151 - 152 (sequence 3)
Language
German
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151 Miscellen. — Aphorismen. 152 emanzipation—(des „Rechtsanwalts derDeutschen Das ausserordentlich prächtig ausgestaltete Werk und Rechtsanwalts der Juden" wie ihn Emil Lehverdient die grösste Verbreitung. Wir kommen noch mann genannt hat) — ist diesem Buche entlehnt. gelegentlich auf dasselbe zurück. APHORISMEN. Der Punkt, der über die Wohlfahrt eines Volkes entscheidet, ist die Frage: „Wohin blickt es?" Wenn es nach irgend einem anderen Volke blickt, so steht es nicht gut mit ihm. Wenn es sich aber mit seinen eigenen Angelegenheiten, Gedanken und Männern beschäftigt und zwar mit einem Eifer, der die anderen Völker fast ganz übersieht — wie es die Juden . . . . zu ihren besten Zeiten gethan —, dann ist dieses Volk erhaben, und wir wissen, dass es in seiner Abgezogenheit ein herrliches Werk vollbringt. Ralph Walrlo Emerson. # ' Seine [des jüdischen Volkes] noch unvollendete Führung ist das grösste Poem der Zeiten und geht wahrscheinlich noch bis zur Entwickelung des letzten, noch unberührten Knotens aller Erdnationen hindurch. Herder. # ,,Meine Wärme hat nicht einzig und allein ihre Quelle in der abstrakten Rechtsidee, sondern in einer innigen, wenn auch meiner oberflächlichen Kenntnis wegen mehr auf Gemüt und Pietät als auf dem Urteil beruhenden Anhänglichkeit an jüdisches Leben und jüdische Sitte." Gabriel Riesser. * Oft und oft hat man die Frage aufgeworfen: Was hat das Judentum so lange erhalten? Was hat es erhalten, während andere Religionen des Altertums, wie ihre Völker zu Grunde gegangen sind? Vielfach und vielfach treffend hat man bereits darauf geantwortet. Eins, scheint mir, sollte man noch hinzunehmen. Man sollte sich nämlich umgekehrt die Frage vorlegen: Was hat andere Religionen zu Grunde gerichtet? Was hat andere Religionen gestürzt? In aller Kürze gesagt, nichts anderes als dies: Der tiefere sittliche Gehalt, welchen diese Völker später erkannt haben, als sie ihre Religion besassen; der tiefere sittliche Gehalt, den sie empfangen hatten, entweder durch fremde Ideen, die bei ihnen eingewandert, wie die Römer, oder durch eigene geistige Entwickelung, wie die Griechen; dieser tiefere sittliche Gehalt zerstörte den Glauben an den minder sittlichen Gehalt ihrer Religionen: Der eigene Geist des Volkes sprach gegen den Geist seiner eigenen Religion — das Lebendige sprengt das Tote. Es ist bekannt, dass, wenn ein Samenkorn zufällig in die Ritze eines Felsens gefallen ist und darin soviel Humus gefunden hat, dass er sich zu einer Pflanze entwickelt, dass dann zuweilen ein Baum daraus erwächst, welcher den Felsen sprengt. Ein kleiner Samenkern; aber das Lebendige überwindet das Tote. Das ist die Macht des Lebens! .... Das Judentum aber lebt!....... M. Lazarus. # Ich selber lieb' es nicht, dies Volk, doch weiss ich, Was sie verunziert, es ist unser Werk — Wir lähmen sie und grollen, wenn sie hinken. Zudem ist etwas Grosses, Garcereau, In diesem Stamm von unstet flücht'gen Hirten: Wir andern sind von heut, sie aber reichen Bis an der Schöpfung Wiege, wo die Gottheit Noch Menschen gleich in Paradiesen ging, Wo Cherubim zu Gast bei Patriarchen Und Richter war und Recht der ehVge Gott. Samt all der Märchenwelt die Wahrheit auch Von Kain und Abel, von Rebekkas Klugheit, Von Jakob, der um Rahel dienend freite, Von Ahasverus, der den Herrscherstab Ausstreckte über Esther, die sein Weib Und selber Jüdin, Schutzgott ward den Ihren. So Christ und Muselmann führt seinen Stammbaum Hinauf zu diesem Volk, als ältstem, erstem, So dass sie uns bezweifeln, wir nicht sie .... Grill parzer. # Jüdische Kunst — wer vor 25 Jahren dieses Wort gebraucht hätte, der wäre für einen sonderbaren Schwärmer angesehen worden. . . .

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