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Ost und West · 1901-02-01 · Heft 2 (Februar 1901) · p. Seite 129 - 130

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 2 (Februar 1901)
Article
Ahlem
Date
1901-02-01
Page
Seite 129 - 130 (sequence 2)
Language
German
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129 Ahlem. 130 Gcsamt-Ansiclit der Alilemer Anstalt, von der Landstrasse aus. Da haben wir Juden, in Deutschland und anderswo, mit nur wenigen Ausnahmen verlernt, den Boden zu bebauen. Aber die Sehnsucht nach der Thätigkeit im Garten und auf dem Acker hat niemals aufgehört, und endlich haben sich auch Männer gefunden zur Gründung einer Anstalt, um jüdische junge Leute in der Bewirtschaftung des Bodens wieder praktisch anzulernen. Denn ohne ein solches allmähliches Heranziehen der Jugend kann die verlorene Uebung. den Boden zu bebauen, nicht wieder erlangt werden; und eine Ausbildungbei Xichtjuden war ja so gut wie ausgeschlossen. So entstand im Jahre 1893 die Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover, die gegenwärtig 40—50 Lehrlingen Gelegenheit bietet, den Beruf des Gärtners zu erlernen, und die (Ende 1900) auch schon mehr als 50 junge Leute als Gehilfen entlassen hat. Auf dem etwa 80 Morgen grossen Besitztum erheben sich jetzt 3 Wohngebäude, mehrere Gewächshäuser, Bäckerei, Scheune und Stallungen für Pferde, Kühe, Ziegen und Hühner, ein Bienenstand und auch eine grosse „Laubhütte", in der 80—90 Personen zugleich speisen und nach der Väter Weise das Erntefest feiern können. Es sind nämlich nicht nur Lehrlinge in Ahlem, sondern auch Kinder von 7—14 Jahren, vielfach Ganz- oder Halbwaisen, die hier so erzogen werden, wie Kinder vom Lande erzogen zu werden pflegen, d. h. einfach aber gesund, so dass, wenn sie später Lust haben, in die Lehrlingsabteilung einzutreten, sie schon eine ganze Menge Dinge und Verrichtungen kennen, die zur Bearbeitung des Bodens notwendig sind. Um sie darin früh zu üben, ist für die Kinder ein Schulgarten angelegt; da arbeiten die Kleinen in ihrer freien Zeit wie die Erwachsenen und können dann selbstgezogene Früchte und Gemüse in die Küche liefern. Recht hübsch zeigt unsere zweite Abbildung den Altersunterschied zwischen den Lehrlingen und den Kindern: der grösste und der kleinste Zögling des Jahrgangs 1900; hoffentlich wird auch der Kleine einmal ein so kräftiger Kerl, wie sein grosser Kamerad! In mehreren Blättern werden uns Lehrlinge bei den verschiedenen Arbeiten vorgeführt in der Baumschule, im Formobst-Quartier, im Obst- und Gemüsegarten, sowie bei den Arbeiten auf dem Bienenstande. * Das Heftchen ist nicht nur bestimmt den alten Gönnern der Anstalt zu zeigen, wie es in Ahlem aussieht, sondern auch diesen Bestrebungen neue Freunde zu erwerben. Die kurze Einleitung schliesst mit den Worten : „Und wer dann an dem grossen Erziehungswerke mithelfen will, der sende seinen Beitrag an die Anstalt: er darf überzeugt sein, dass seine Gabe im Dienste der Sache mit dem Bedacht und der Sparsamkeit verwendet wird, wie es einer Anstalt ziemt, die bedächtige und sparsame Gärtner und Landleute erziehen will." * * * Ueber die Resultate der Alilemer Anstalt lässt sich in kurzem sagen, dass bis jetzt 60 junge Leute als Gärtner ausgebildet wurden, welche alle, bis auf fünf, bei dem. Gewerbe geblieben sind. Einige der früheren Zöglinge fungieren bereits als Instrukteure an neu angelegten jüdischen Gärtnerei-Schulen in Russland, während einige andere ausersehen sind, an zwei in der Nähe von Kolomea und Stanislau (Galizien) projektierten Garten- und Ackerbauschulen thätig zu sein. Im übrigen beschränkt sich die Anstalt keineswegs auf die im obigen skizzierten Ziele. Besonders aber hat der eigentliche Begründer und bis heute die Seele des Unternehmens, Herr

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