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Ost und West · 1901-02-01 · Heft 2 (Februar 1901) · p. Seite 93 - 94

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 2 (Februar 1901)
Article
Bildende Kunst und Judentum
Date
1901-02-01
Page
Seite 93 - 94 (sequence 2)
Language
German
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93 Leo Winz: Bildende Kunst und Judentum. 94 'W ^4 * Raffael: Die Anbetung des goldenen Kalbes (Vatikan). architektonischer Verhältnisse entwickelte, in welchen Griechenland ein Vorbild aller Zeiten wurde. Hierauf gestützt hat man keinen Anstand genommen, den Juden im allgemeinen jeden Sinn für Kunst abzusprechen, ihnen Unbildung und Roheit vorzuwerfen und in absichtlicher Verkennung der wahren Motive in dem mosaischen Bilderverbote nur einen Akt der Barbarei zu erblicken (u. a. s. Richard "Wagner: Das Judentum in der Musik). Wir werden noch Gelegenheit haben, in diesen Blättern auf diese Behauptungen zurückzukommen und den Kunstsinn wie die Kunstleistungen der Juden nach ihrem wirklichen Werte zu schätzen. Für heute wollen wir uns darauf beschränken, das thatsächliche Motiv des Bilderverbotes im Judentume näher zu beleuchten, woraus sich der Standpunkt, den die Juden gegenüber anderen Völkern des Altertums in Bezug auf die bildende Kunst eingenommen haben, von selbst rechtfertigt. * * * Bilder waren die Förderungsmittel der ersten religiösen Erziehung der meisten Völker; und in dem Bestreben, das Uebersinnliche dem Sinnenwesen fasslich zu machen, ist auch der Ursprung der Bilderverehrung zu suchen. Da den Menschen das natürliche Bedürfnis treibt, seine religiösen Empfindungen auf irgend eine Weise festzuhalten, und er dies in Begriffen nicht zu thun vermag, so thut er es vermittels der Einbildungskraft und der sinnlichen Anschauung, indem er an irgend eine Erscheinung, an irgend einen Gegenstand der Natur seine Empfindungen anknüpft. Quelle und Stein, die Natur überhaupt wird ihm zum Denkmal und Zeichen Gottes; selbst die Stelle wird heilig, wo das Heilige in sanfter Berührung an ihm vorüberging. „Sprache der Menschen hat Buchstaben, Sinn der Menschen hat Bilder nötig" (J. G. Jakobi). „In Bildern besteht der ganze Schatz menschlicher Erkenntnis und Glückseligkeit" (Hamann). Alles spricht dafür, dass in jenem hohen Altertum das Bild aus geschickten Priester-Händen und das Bild priesterlicher Rede in Ursprung und Absicht ein und dasselbe war. Es wrar ausgeprägt für den Unterricht, und, gesprochen oder gemodelt, immer gehörte es dem Sinne an, und stellte sich dem Auge dar. In dem einen Falle war es ein Sinnspruch, in dem anderen ein Sinnbild.

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