Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- Ein vergessenes Stück Palästina
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 53 - 54 (sequence 3)
- Language
- German
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53 B. Ebenstem: Ein vergessenes Stück Palästina. 54 Küstenstädten Palästinas und Syriens auf der anderen Seite. Mit dem Bau dieser ägyptischsyrischen Küstenbahn, die übrigens vom Standpunkte der Palästina-Kolonisation eine der segensreichsten Unternehmungen ist, und deren Bau sehr bald der Vollendung der Kapstadt-Kairo- und der Bagdad-Bahn folgen wird, gewinnt die Stadt El-Arisch und mit ihr die ganze Küstenstrecke eine neue Bedeutung. Und schlieislich steht es gar nicht so fest, dass am Wadi-El-Arisch, dem Bach Aegyptens, die äusserste Grenze Palästinas zu suchen ist — er ist allenfalls die Grenze der engeren Auffassung — denn an der Stelle, wo zuerst in der Bibel das Land der Verheissung umschrieben ist, heisst es: „Nahar" und nicht Nachal Mizraim. Nahar jedoch ist Fluss, Strom — während Nachal Bach oder trockenes Flussbett bedeutet. Der heutige Wadi-El-Arisch aber, der Torrens Aegypti der Kreuzfahrerzeit und der Nachal Mizraim der Bibel ist zu allen Zeiten ein trockenes Flussbett gewesen, das nur selten als „ Winterstrom" Wasser führt — dann aber oft genug an den primitiven Bauten und Dämmen der Bewohner Schaden anrichtet. Es ist nicht anzunehmen, dass das trockene Bett eines Sturzbaches von unseren Vorfahren als Nahar bezeichnet worden sein soll, besonders auch deshalb nicht, weil im gleichen Passus der Euphrat — allerdings mit einer Hervorhebung — ebenfalls Nahar genannt wird. Einige Kommentatoren weisen auch ausdrücklich darauf hin, dass mit Nahar Mizraim der Nil gemeint sein müsse, während die, welche anderer Ansicht sind, leicht entschuldigt werden können durch die Unkenntnis der geographischen Verhältnisse gerade dieses Landstriches. Wenn aber das Wort Nahar allein nicht genügen sollte, um die östlichste Nilmündung als Grenze Palästinas gelten zu lassen, so kommt dieser Auffassung Strabo zu Hilfe, der als westliche Grenze Judäas den Kasion (Cäsium der Römer, — 9 Stadien von Pelusium) bezeichnet, während die arabischen Geographen sagen, dass „die Wüste der Kinder Israel" bis Pelusium reiche! Die Widersprüche bezüglich der Zugehörigkeit des Landstriches erklären sich aber ganz einfach durch die fortwährende Verschiebung der Machtverhältnisse Aegyptens und Syriens: War Aegypten stärker, so reichte seine Grenze bis Gaza, und gewann Syrien die Oberhand, so dürfte Pelusium (das heutige Port-Said) die ägyptische Grenzfestung gewesen sein. Wie die politische Zugehörigkeit, auch die Fruchtbarkeit des Landstriches von den schwankenden Verhältnissen abhängig: zu Zeiten des Friedens und wirtschaftlichen Aufschwunges war stets die an bevölkerte Gebiete angrenzende Wüste bebaut. Wie dem aber auch sei — ob die Palästina- Bestrebungen sich an den Strom, oder an den Bach Aegyptens als an die Grenze des heiligen Landes halten werden — es giebt ein Stück Palästina, das bisher, für die praktische Thätigkeit wenigstens, völlig übersehen worden ist —, ein Stück Palästina, das dem Herzen des Juden nicht weniger teuer sein kann, als die meisten anderen, unter türkischer Verwaltung stehenden Teile des Landes. Die Kenntnis von der Existenz eines solchen Fleckes Erde aber, dessen verwahrlosten Zustand ebenso, wie seine ausserordentliche Bedeutung in naher Zukunft wir dargethan zu haben glauben, wird — so hoffen wir — den Palästinafreunden jeder Schattierung einen Impuls zu erneuter und energischerer Arbeit geben, so dass die alte Heimat ihren Teil habe an der Lösung der jüdischen Auswanderungsfrage, die angesichts der furchtbaren Lage in Rumänien und der Stellungnahme der bisherigen Immigration s - Län der heute brennender ist als je!--