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Ost und West · 1901-01-01 · Heft 1 (Januar 1901) · p. Seite 49 - 50

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 1 (Januar 1901)
Article
Ein vergessenes Stück Palästina
Date
1901-01-01
Page
Seite 49 - 50 (sequence 1)
Language
German
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40 50 EIN VERGESSENES STÜECK PALAESTINA. Von Ij. Ebenstein. Man kann getrost sagen, dass alle Juden sich ein Interesse für Palästina bewahrt haben. Die jüdischen Ueberlieferungen, unter deren grundlegendem Einfluss selbst die Christen und Mohamedaner stehen, müssen naturgemäss bei uns in ungleich höherem Maasse lebendig sein» Und zu dem historischen kommt das religiöse Element, die zahllosen Hinweise auf die Heimat der Väter in unseren täglichen Gebeten und unseren Festen. Aber nicht nur in Vergangenheit und Kultus lebt uns Palästina, sondern auch in unseren Träumen und Hoffnungen, die gar nicht immer utopischer Art sind, wenn sie auch von vielen Hunderttausenden gehegt undnurvon wenigen Tausenden verwirklicht werden. Da sind die, welche sich danach sehnen, ihr Leben voller Unrast im Frieden des heiligen Landes zu beschliessen. Und da sind neuerdings auch die Massen derer, die zur Auswanderung aus dem europäischen Osten gedrängt und angesichts der sich immer mehr verschliessenden Thore des Westens mit Sehnsucht der alten Heimat gedenken. Ein ansehnlicher Teil der auf 70 000 geschätzten jüdischen Bewohner des heiligen Landes ist der Einwanderung zuzuschreiben, die seit mehr als 20 Jahren dort stattgefunden hat. Grosse Organisationen, wie die Alliance Israelite, das Odessaer Komite, die Chowewe - Zion- Verbände und viele andere, sowie die grossartige Unterstützung, welche besonders Baron Rothschild der Kolonisation angedeihen Hess, haben das Werk ermöglichen geholfen und konsolidiert. In Deutschland ist eine der grössten jüdischen Organisationen, der Verein „Esra", zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer in Palästina, in den anderen Ländern sind gleichstrebende Verbände, denen vor allem an einer praktischen Thätigkeit gelegen ist. In der allerletzten Zeit ist schliesslich die viel kommentierte zionistische Bewegung aulgetaucht, die eine grössere Thätigkeit unter rechtlichen Garantien, welche zuvor geschaffen werden sollen, in Aussicht nimmt. Man sieht also, dass selbst die direkten Palästina-Bestrebungen sowohl qualitativ als auch quantitativ wohl ins Gewicht fallen, so dass es eigentlich zum Verwundern ist, wenn nicht mehr erreicht wird. Es wird uns aber zur Erklärung gesagt, dass die türkischen Zustände ein erfolgreicheres Arbeiten verhindern. Die Einwanderung von Juden ist verboten, Landkauf und Errichtung von Industrien fast unmöglich. Was trotzdem erreicht worden ist, erforderte die grössten Opfer, wozu noch kommt, dass die betreffenden Gesetze von türkischer Seite immer strenger und strenger gehandhabt werden. Trotzdem sind alle die verschiedenen Palästina-Bestrebungen im offenkundigsten Wachstum begriffen, so dass man kaum fehl gehen wird, wenn man einen gewaltigen Aufschwung der Kolonisation voraussieht für den Fall, dass die bestehenden Beschränkungen gemildert oder gar aufgehoben werden. Im Anschluss hieran möchte ich auf einen im ersten Augenblick unglaublich erscheinenden Umstand hinweisen, der bisher vollständig übersehen worden ist: Es ist falsch zu sagen, dass Palästina in der Türkei liegt, es liegt nur zu seinem grössten Teile im Machtbereiche des Sultans; ein anderer Teil liegt in Aegypten, dessen stark von England beeinflusste Verwaltung den Bestrebungen der Palästina-Vereine kaum irgend welche Schwierigkeiten in den Weg legen würde. Fest steht, dass dieEinwanderungvon Juden in Aeg5^pten erlaubt, und die Errichtung von Industrien gern gesehen ist. Dieses „Aegyptisch-Palästina" beginnt an der heutigen türkisch-ägyptischen Grenze bei Tell- Refa (Raphia) halbwegs zwischen Gaza und dem Wadi-el-Arisch, dessen biblischer Name Nachal Mizrajim, der Bach. Aegyptens, ist. Dieses Gebiet ist über 1000 Dkm gross und war in früheren "%l T«3«KI5CMfcS /4<äYPTTSCW€i \ G€8<tT. Enq'.ichf n«llfn (i0 Ib Um.) Mitteilend uch es -=- Meer O Dörfer (Teils) 0 ßrunnen '■ Rt/i"nen •- lcfCijraphenL'>n.e Aegyptisch-Palästina (auf dem oberen Situalionskärtchen schraffiert). Zeiten ebenso bevölkert und ebenso bebaut wie die Nachbargegend auf der anderen Seite der heutigen türlcischen Grenze. Es ist bekannt, dass die blühendsten Kolonien Palästinas an Stellen angelegt wurden, die vor 20 Jahren das Bild trostlosester Wüste gewährten. Hiermit Hesse sich dem Einwand begegnen, dass die

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