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Ost und West · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1919) · p. Seite 313 - 314

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1919)
Article
Die Judenfrage im künftigen Europa
Date
1919-11-01
Page
Seite 313 - 314 (sequence 9)
Language
German
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313 Die Judenfrage im künftigen Europa. 314 wetterte. Den Zionisten und. Nationalisten warf er vor, daß sie durch Förderung des Turnens und des Sports die Jugend zur Zeitvergeudung verführen, da sie dem Thorastudium entzogen werde. Der Zweck des Daseins eines jeden Juden auf der Welt sei ja das Thorastudium, "besonders in der Jugend; eine jede Minute, die diesem geraubt wird, sei verloren. Darum verdammte e:r auch die in jüngster Zeit hervortretenden Bestrebungen der breiten Volksmassen, die Knaben in die öffentlichen Schulen zu schicken und sie frühzeitig zu einem Handwerksmeister oder in ein Geschäft in die Lehre zu geben. Das sei, abgesehen von dem oben angeführten Grunde, auch noch ein Beweis mangelhaften Gottvertrauens, da die Menschen törichterweise ihre Kinder fürs Leben versorgen wollen, was doch ganz unnütz sei. Der Jude sei verpflichtet, es zu machen, wie seine Väter und Großväter es gemacht: bis zum 18. oder 20. Lebensjahre im Cheder und im Bethammedrasch unablässig Thora zu lernen, dann eine Familie zu gründen und die Sorge Gott zu überlassen ... Es ist leicht zu ermessen, wie verheerend derlei Anschauungen zu wirken vermögen, wenn deren Trägern Einfluß und Macht eingeräumt wird. Wenn man die große Anzahl bildender Künstler bedenkt, die unter den Ostjuden erstanden sind und von denen manche sich sogar Weltruf erworben haben, so muß man sich sagen, daß in diesen Massen eine ungewöhnlich große Summe von Formtalent schlummern muß, welches zu wecken und in den Dienst des Gewerbes zu stellen eine lohnende Aufgabe wäre. Der von der sozialistischen Doktrin verbreitete Aberglaube, daß die Entwicklung der Großindustrie jedes Handwerk unter allen Umständen dem rettungslosen Untergang überliefere, hat viel dazu beigetragen, die Hinlenkung der Ostjuden zum Handwerk hintanzuhalten. Ein genaueres Studium der Verhältnisse in Deutschland während des unvergleichlichen Aufschwungs der Großindustrie in den letzten dreißig Jahren beweist, daß diese nur die überflüssigen, ersetzbaren Handwerksarten verdrängte, die entwicklungsfähigen, qualifizierten, die individuellen Geschmack und Verfeinerung erfordern, nur zu strafferer Zusammenfassung ihrer Kräfte zwang, zu einer gediegenen Organisation und rührigen Tätigkeit. Die Großindustrie hat sogar bisweilen neuen Handwerkszweigen die Bahn geebnet. Alle diese Erfahrungen müßten die Juden beobachten und verwerten. Verwerten müßten sie in erster Reihe ihre im Verlaufe der Jahrhunderte erworbene kaufmännische Begabung, die sie jetzt in der Kleinkräinerei und im Zwischenhandel nutzlos verzetteln, indem sie sie dazu verwenden, das Handwerk kaufmännisch zu organisieren. De n Handwerkerschulen müßten Handelskurse angegliedert werden. Das wichtigste jedoch ist die Schaffung von P r o d u k t i v g en o s s e n s c h a f t e n für den Einkauf von Rohstoffen, Betrieb mit Maschinen und den Absatz der Erzeugnisse. Solche Organisationen können neue Märkte erschließen, dem Handwerk neue Bahnen weisen, die Regsamkeit und Tüchtigkeit der Juden fände hier ein Feld wertvoller und gemeinnütziger Betätigung. Ein derartig gewerbsmäßig und kaufmännisch geschulter Handwerker ist überall in der Welt willkommen, kann sich überall ehrenhaft und redlich sein Brot verdienen und es sogar zum Wohlstand bringen. Allein er hätte höchstens aus persönlichen, nicht aber aus allgemein-wirtschaftlichen Gründen nötig, aus der Heimat auszuwandern, denn anstatt selber in die Welt zu gehen, könnte er ja die Erzeugnisse seiner Ai"beit in die Welt schicken — während der jetzige jüdische „Luftmensch" in seiner Heimat überflüssig ist und im Ausland als lästiger Lohndrücker empfunden wird. Die Ausrottung der jüdischen „Luftmenschen'' muß das Ziel sein. — Von allen jüdischen Hilfsorganisationen war die IC A die einzige, die bisher auf wirtschaftlichem Gebiete rationell und mit Erfolg gearbeitet hat. Es wäre ein Segen, wenn sie die Ausführung des oben dargelegten Planes in ihre Hand nehmen wollte.

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