Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September-Oktober 1919) · p. Seite 271 - 272

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September-Oktober 1919)
Article
Schwüre und Gelübde, deren Heiligkeit und deren Auflösung nach jüdischer Lehre
Date
1919-09-01
Page
Seite 271 - 272 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2583875-2584087-2584092-2607925--17646-2607979
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

271 Schwüre und öelübde, deren Heiligkeit und deren Auflösung nach jüdischer Lehre. 272 nichtig; hat er aber an die Vorausbedingung nicht gedacht und sie nicht ausdrücklich bestätigt, so hat er die Vorausbedingung aufgehoben und das Gelübde anerkannt, und es hat bindende Kraft. — Ein Lehrer wollte das Gesetz im öffentlichen Lehrvortrag (vor dem weiten Publikum) vortragen, aber Raba warnte davor: Die Mischnah hat es vermieden, das Gesetz allgemein zu verkünden, so darfst du es auch nicht tun, sonst könnte das Volk sich verleiten lassen, mit Gelübden leichtsinnig zu verfahren." (Nachmanides bemerkt in seinem Kommentar zur Bibel, daß diese aus demselben Grunde die Hatharah nicht ausdrücklich verkündet, sondern nur angedeutet hat, weil sie in jedermanns Hand war und die Menge zur Geringschätzung der Gelübde hätte verleitet werden können.) RITbA (erste Hälfte des 15. Jahrhunderts) zu Alfasi (Nedar. 23b) bemerkt: „Diese Vorausbedingung hat Rechtskraft, auch wenn der Mensch gan.z mit sich allein sie ausmacht, aber es ist besser, daß er sie vor zwei Zeugen ausspreche, wegen des Verdachtes nämlich, denn wenn jemand, der von seinem Gelübde weiß, sieht, daß er es übertritt, könnte er ihn für einen Eidbrecher halten, hat er aber die Ausbedingung vor zwei oder drei Zeugen ausgesprochen, so ist sie allbekannt, und er setzt sich keinem Verdacht aus." Ein merkwürdiges Bild, nicht wahr? Ein meineidiger Schuft, der die Absicht hat, durch eine zauberkräftige Beschwörungsformel die magisch-unheilvolle Wirkung seiner künftigen Meineide abzuwenden, verkriecht sich nicht in den dunkelsten Schlupfwinkel, um seine Hexerei im finstern abzumachen, sondern ruft zwei oder drei Zeugen herbei, um der Sache eine möglichst große Publizität zu geben, und befürchtet nicht im geringsten, dadurch an Kredit und Glaubwürdigkeit einzubüßen 1 — Nun ist trotz der gegenteiligen Ansicht mancher Autoritäten, vom Jeruschalmi bis herab zu Rabbenu Tham,. die allgemeine Meinung1, daß eine Vorausbedingung auch einen gelöbnisartigen Schwur annulliert. Dieses Prinzip hängt ja logisch mit der Hatharah zusammen und muß denselben Geltungsbereich wie diese haben. Und auf diesem Grundsatz baut sich das Kol Nidre in seiner jetzigen, auf die Zukunft angewandten Form auf. Vormals bezog sich die Formel nur auf die Vergangenheit. t * ' " * Das Kol Nidre" hat eine ganze Entwicklungsgeschichte. Seine Abfassungszeit und Entstehüngsort lassen sich nicht mehr genau bestimmen7), ebensowenig, wie der Ursprung der wundervollen ^»Melodie, der es untergelegt worden. Indessen, wer sich den Anscliein gibt, daß er den Schulchan Aruch zu zitieren versteht, muß doch wohl wissen, daß dieses Werk nur eine für den handlichen Gebrauch verkürzte Bearbeitung des Tür ist, und die primitivsten wissenschaftlichen Regeln erfordern es, mindestens auf diesen zurückzugreifen. Dort, im Kapitel 619 sowie in dem oft beigedruckten Kommentar Bsiijth Chadasch, hätten die Herren Forscher eine ziemlich erschöpfende Darlegung der Entwicklungsgeschichte des Kol Nidre" finden können. Schluß folgt, g 7) Auch die tiefschürfenden. Forschungen Blochs und Posnanskis aus jüngster Zeit haben die Frage nicht'endgültig entschieden. "• — — - ' " — '' ' - — ' '' '• mit Queisser's KaliklorasZahnpasta dauernd pflegt, schützt sich gegen fektionskrankheiten, da sm bekanntlich die Bakterien durch den Mund den Bequemsten Zugang zum menschlichen Körper finden. Queisser's Kaliklora enthält Salze, die Mundhöhle und Rachen kraftig desinfizieren und den Zahnstein auflösen. Das köstliche / Aroma hinterläßt im Munde ein behagliches Gefühl der Reinlichkeit und Frische. - Queisser 4k Co., G.m.fc>- v. Hamburg IQ

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.