Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September-Oktober 1919)
- Article
- Hugo Kaufmann
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 229 - 230 (sequence 1)
- Language
- German
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229 Hugo Kaufmann. 230 HUGO KAUFMANN. Von Dr. Karl Schwarz. Ganz unerwartet ist Hugo Kaufmann aus dem Leben geschieden; ein reiches, von steten Erfolgen begleitetes Schaffen hat ein plötzliches Ende ge* nommen. In der Vollkraft der Jahre ist er von uns gegangen. Hugo Kaufmann war keiner von den Künstlern, die auf den Ausstellungen Aufsehen erregen und in der Presse viel genannt werden. Es lag ihm nicht daran, in aller Munde zu sein. Sein Scharfen und Wirken spielte sich in der Stille seines Ateliers ab, in dem er voller Eifer seine großen Werke schuf und aus dem dann von Zeit zu Zeit eine Monu* mentalarbeit hervorging, die sogleich einen Platz zu dauerndem Bewahren erhielt. Wie bei den Meistern der Renaissance, mit denen ihn innige Bande des Verstehens verknüpften, war sein Sinnen hauptsächlich auf das großzügig Monu* mentale gerichtet, in dem er die Erfüllung seines künst* lerischen Strebens sah. Und mehr denn anderen Künstlern seiner Zeit war es ihm vergönnt, im Gio* ßen zu wirken. Seine Werke gereichen mancher deutschen Stadt zur Zier, seine Denkmäler undBrunnen schmücken manchen Platz und erfreuen und erheben Tausende, viele Tausende, von denen vielleicht wenige nur den Namen des Schöpfers kennen. Aber darauf kam es ihm ja nie an; ihm war die Kunst Selbstzweck. .Sein bescheidenes, vor* nehm zurückhaltendes Wesen verlangte nicht nach persönlicher Anerkennung. Ebenso ging er allen Streitigkeiten aus dem Weg, sie waren ihm durch* aus zuwider. Seine Kunst gehörte ihm, und so ließ HUGO KAUFMANN Sifzewcler Jüngling er auch jeden nach seiner Anschauung arbeiten und zollte jedem ehrlichen Strebenden seineAnerkennung. Hugo Kaufmann war einer der liebenswürdigsten Menschen. Wer ihn so gut kannte wie der Schreiber dieser Zeilen, ihn bei der Arbeit im Atelier, bei der Diskussion neuer, großer Pläne, bei Gesprächen über Kunst, im Freundes* und Familienkreise beob* achtet hatte, wer ihn mit den Kindern spielen ge* sehen, der betrauert in ihm nicht nur den anerkannten Künstler, sondern einen der feinsten und vor* nehmsten Charaktere und einen der liebenswertesten Menschen. Vornehmheit, Zurück* haltung und ruhige Größe, diese charakteristischen Eunkte seiner Persönlich* keit waren auchdieWesen* heit seiner Kunst. Nichts Lautes und Brausendes, nichts Stürmisches und gar zu Akzentuiertes begegnet uns da. Der Abfluß der Linien, der Aufbau der einzelnen Teile und die Harmonie der Gesamtdar* stellung^haben stets etwas Geschlossenes, Würde* volles und Beruhigendes. Er war ein Meister der Form, d.h. er beherrschte das Technische bis zur Selbstverständlichkeit. Seine Gestalten gewannen unter seiner sicheren Hand Krematorium, Berlin neues Leben. Seine Bild* nisse wirken oft durch die erstaunliche Ähnlichkeit frappierend. Dabei findet man in seinen Werken nichts Kleinliches, da er es verstand, selbst den kleinsten Wesensiugder großen einheitlichen Form unterzuordnen. Obgleich ihm der Meißel gerade in den Jahren ent* sank,dadieschöpferischeManneskraftihne reifsten und reichsten Werke hervorzubringen pflegt, ist die Zahl seiner hinterlassenen Schöpfungen doch so groß, daß