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Ost und West · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September-Oktober 1919) · p. Seite 227 - 228

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September-Oktober 1919)
Article
Die jüdische Geschichte im Lichte der materialistischen Geschichtsauffassung
Date
1919-09-01
Page
Seite 227 - 228 (sequence 6)
Language
German
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227 Die jüdische Geschichte im Lichte der materialistischen Geschichtsauffassung. 228 HUGO KAUFMANN Samariterbruntien in Homburg In den oben angeführten Betrachtungen habe ich allerdings Epochen aus der jüdischen Geschichte in Palästina behandelt. Da hier ein. geschlossenes Gebiet in Betracht kommt, so läßt sich das Wirtschaftsleben in jenen Zeitabschnitten leichter erforschen. Soweit sich aber die Geschichtsschreibung mit den Ereignissen in der Diaspora befaßt, ist dies schon viel schwieriger. Denn es genügt nicht, nur die wirtschaftlichen Verhältnisse jener Völker zu kennen, unter denen die Juden zeitweilig gelebt haben, vielmehr müssen auch die besonderen Verhältnisse der Juden untersucht werden, da sie. fast immer nicht nur religiös und national, sondern auch wirtschaftlich eine Sonderstellung einnahmen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die religiösen Forderungen, die bei den. Juden immer betont wurden, auf ihre wirtschaftlichen Verhältnisse stark einwirkten. Es genügte den Juden nicht, unter günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen zu leben, vielmehr mußten sie freien Spielraum für die Ausübung der väterlichen Religion, für die religiöse usw. Erziehung ihrer Kinder, für ihr intensives Gemeindeleben haben. Der Erforschung des inneren Kultur- und Wirtschaftslebens in seiner reichen Mannigfaltigkeit wird sich die Geschichtswissenschaft in der Zukunft zu widmen haben. Nicht im Sinne der materialistischen Geschichtsauffassung, wie sie zum Dogma erhoben wurde, soll die Geschichte der Juden in der Zukunft geschrieben werden, wohl aber nach der Fassung, die Friedrich Engels dieser Theorie gibt. Sie steht der Wahrheit zum mindesten sehr nahe.

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