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Ost und West · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1919) · p. Seite 197 - 198

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1919)
Article
Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft
Date
1919-07-01
Page
Seite 197 - 198 (sequence 10)
Language
German
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197 Abraham Elija Harkavy'. 198 zuletzt, kurz vor Ausbruch des Krieges,' wurde Bertha von Suttner abberufen. Der Weltkrieg war der „Sic«»-" der Gewalt und der Schlauheit über die Gerechtigkeit und Wahrheit, als deren Ausdruck die Haager Konferenzen erscheinen. Indessen ist es, als oh die Menschen zur Verwirklichung dieser Ideen noch nicht herangereift sind. Was die Herren Diplomaten in Versailles zustande brachten, ist nicht der Weltfriede, sondern der permanente Weltkrieg. Die Welt soll nicht zur Ruhe kommen, sondern duich verewigten Haß und Rachsucht immer von neuem zum grauenhaften. Selbstmord aufgepeitscht werden. Das Werk vom Haag wird vielleicht noch lange Zeit brauchen, bis es seine Früchte für die Menschheit trägt. Bloch hat über das Grab hinaus dafür gesorgt, daß seine Propagandaarbeit nicht aufhört fortzuwirken. Am 7. Juni 1902 wurde in Luzern das von ihm gestiftete und ausgestattete „Internationale Kriegs- und Friedensmuseum u eröffnet, welches den Beschauern in wirkungsvoller Weise den Krieg und alle seine Schrecknisse sowie alle Mittel zu dessen Bekämpfung vor die Seele führt. Das Testament, welches Bloch seiner Familie hinterließ, und in dem er die Summe seiner Lebensarbeit zieht, beginnt mit dem Bekenntnis: „Ich war Zeit meines Lebens ein Jude und sterbe als Jude!" Er t durfte das mit Recht von sich sagen, denn er hat den Gott Israels, den Gott der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Güte, des Lebens und des Friedens mit ganzem Herzen und ganzer Seele geliebt, und hat ihm mit ganzer Kraft gedient. Und nicht viele haben für die Ehre und das Wohl des jüdischen Volkes tapferer gekämpft als er. ABRAHAM ELIJA HARKAVY. Von Simon Bernfeld. Vor wenigen Monaten ist Abraham Elija Harkavy, ein hervorragender Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Literatur und Altertumskunde, im hohen Greisenalter aus dem Leben geschieden. Die Nachricht von seinem Tode, dei in der Mitte des Monats März in St. Petersburg erfolgte, ist zu uns verspätet auf Umwegen gelangt. Zu den trau* rigen Erscheinungen dieses grauenhaften Weltkrieges gehört es auch, daß die Beziehungen der Wissens: schaft, die international ist, zerrissen und zerstört wurden. Das Ableben Harkavys hätte sonst in der jüdischen Welt die größte Teilnahme hervor gerufen. Abraham Elija b. Jacob Harkavy wurde arn 14. (2.) November 1835 (22. Marcheschwan 5596) im weißrussischen Städtchen Nowogrudk im Gouv. Minsk geboren. Er entstammt einer gelehrten Familie und wurde,, wie damals unter'den Juden des Ostens üblich, frühzeitig in der Kenntnis der hebräischen Sprache und des umfangreichen hebrä* ischen Schrifttums unterrichtet. In jüngeren Jahren kam er nach Wilna, wo er die Rabbiner*Schule besuchte. Die Hauptstadt Litauens war damals im hohen Grade der Sitz jüdischer Gelehrsamkeit, und der junge Harkavy kam in Berührung mit den bekanntesten hebräischen Schriftstellern und Dichtern seiner Zeit, vornehmlich mit Jehuda Loeb Gordon, mit dem er allerdings in späteren Jahren in Zerwürfnis geriet. Harkavy gab aber bald seine Absicht auf, sich dem Rabbineramt zu widmen, und studierte orientalische Sprachen, insbesondere das Arabische, das er vorzüglich beherrschte. Sein eignes Fach wurde bald jüdische Altertumskunde, hebräische Epigraphik und die jüdisch^arabische Literatur. Durch ein umfassendes gediegenes Wissen ausge* zeichnet, wurde er später zum Abteilungs* Direktor der kaiserlich russischen Bibliothek berufen. Er hat dies ehrenvolle Amt mehrere Jahrzehnte hindurch bis zu seinem Ableben in segensreicher Tätigkeit verwaltet. Die Früchte seiner Forschungen, die in zahlreichen selbständigen Werken und in Abhand* lungen wissenschaftlicher Zeitschriften niedergelegt sind, pflegte er den wissenschaftlichen Kreisen in hebräischer, russischer oder deutscher Sprache mit* zuteilen. Seine Hauptwerke sind: „Die Juden und die slawischen Sprachen" (hebräisch, Wilna 1867); „Berichte muselmanischer Schriftsteller über die Slawen und Russen" (russisch, Petersburg 1870); „Erzählungen der hebräischen Schriftsteller über das Chazarenreich" (russisch, Petersburg 1872); „Uber den ursprünglichen Wohnsilz der Semiten, Indo* Europäer und Hamiten" (russisch, Petersburg 1872); „Katalog der samaritanischen Bibelhandschriften der kais. öffentl. Bibliothek in St. Petersburg" (russisch, das. 1874); „Katalog der hebräischen Bibelhand* Schriften" (Petersburg 1875); „Altjüdische Denk* mäler aus der Krim" (hebräisch, Petersburg 1876); „Tehuda Halevi" (Petersburg 1896, hebräisch). — In den letzten Jahren seines Lebens hat er sich auch als einer der Herausgeber der jüdisch*russischen Enzyklopaedie betätigt. Das größte Verdienst aber um die geschichtliche Forschung hat sich Harkavy in einem Wissenschaft* liehen Streit erworben, aus dem er als glänzender Sieger hervorgegangen ist. Diese merkwürdige Episode verdient jetzt der Vergessenheit entrissen

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