Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli-August 1919)
- Article
- Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 181 - 182 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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181 Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft. 182 mächtiger Fürsprecher, dem Kriege ein heftiger und unerbittlicher Gegner erstand, nämlich Johann von Bloch, der wirkliche Urheber der Haager Friedenskonferenzen. Es wäre eine Ehrenpflicht der Juden, besonders der polnischen, für eine genaue, streng wissenschaftliche, urkundlich beglaubigte Biographie dieses merkwürdigen Mannes zu sorgen, so lange noch zahlreiche seiner persönlichen Bekannten am Leben sind und die Einzelheiten seines Lebenslaufes sich leicht feststellen ließen. Er selbst hat nämlich zeit seines Lebens über alles was ihn persönlich betraf, nichts veröffentlicht; bei aller leidenschaftlichen Subjektivität war er nämlich einer der objektivsten Menschen der "Welt, ging vollständig in seiner Arbeit auf und verschwand völlig hinter seinem Werk. Eine möglichst lückenlose Schilderung seines Lebens wäre ein wichtiger Beitrag zur Kenntnis des modernen Judentums, denn er repräsentierte einen der markantesten und prächtigsten Typen des jüdischen Stammes. Am 24. August 1898 wurde die ganze Welt durch die Kunde überrascht, daß der russische Staatskanzler und Minister des Äußern Graf M u r a w i e w allen in Petersburg akkreditierten auswärtigen Vertreter einRundschreiben überreicht hatte, in welchem er sie im Namen seines Allerhöchsten Herrn und erhabenen Monarchen Nikolaus II. aufforderte, „auf dem Wege internationaler Beratung die wirksamsten Mittel zu suchen, um allen Völkern die Wohltaten eines wahren und dauernden Friedens zu sichern und vor allem der fortschreitenden Entwicklung der gegenwärtigen Rüstungen ein Ziel zu setzen/ Das merkwürdige Dokument enthielt in kurzen knappen Worten eine entschiedene, ja scharfe Verurteilung des Krieges, und ein warmes Bekenntnis zu der Idee, „den großen Gedanken des Weltfriedens triumphieren zu lassen über alle Elemente des Unfriedens und der Zwietracht". Infolge dieses Manifestes trat bekanntlich im Mal des folgenden Jahres die erste IIaager Friedenskonferenz zusammen. Aber bei seinem Erscheinen horchte die Welt erstaunt und ungläubig auf. Daß gerade aus Petersburg eine solche Stimme kam, schien unerklärlich. Man witterte dahinter einen diplomatischen Kunstgriff der fingerfertigen russischen Regierung, die es in der Tat, wie wir weiter unten sehen werden, zu unehrlichen Zielen benützte. Einige Monate darauf erschien auf den Büchermärkten von Berlin, Paris und London ein großmächtiges Buch in sechs dicken schweren Großoktavbänden, mit unzähligen Mappen, Tafeln, Abbildungen, Diagrammen und graphischen Darstellungen unter dem Titel „Der Krieg der Zukunft" von Johannes von Bloch, aus dem Russischen übersetzt. Das Original war bereits vor längerer Zeit in Petersburg erschienen. Nun machte das Manifest des Zaren den Eindruck, als wäre es ein Resumc «des Blochschen Werkes,. die markantesten Sätze des Manifestes waren eine förmliche Wiedergabe der von Bloch gebrauchten Wendungen und Ausdrücke. Aber schon früher munkelte man in diplomatischen und verwandten Kreisen, daß der Zar zum Erlaß des Manifestes durch „außerpolitische Einflüsse" veranlaßt worden wäre. In Deutschland waren besonders die alldeutschen und antisemitischen Blätter iuber den armen Nikolaus wütend, weil er ihre seligen Träume von baldigen blutigen Kriegen zu verscheuchen •drohte; sie überhäuften den erhabenen Selbstherrscher aller Reußen mit ehrfurchtsvollen Vorwürfen und ichoben die ganze Schuld an dem Unheil auf — Bloch. Wer war dieser Bloch? Ein kleines polnisches Jüdlein, einst einer jener „hosenverkaufenden semitischen Jünglinge", wie sie Treitschke in seiner edlen Phantasie geschaut, ein ehemaliger Trödler, der sich auf irgendeine unheimliche Weise in die Gunst des Zaren eingeschlichen hatte, und sein Vertrauen zu internationalen jüdischen Zwecken mißbrauchte. Es wurde nämlich bekannt, daß dieser ehemalige jüdische Trödler sehr hohe internationale verwandtschaftliche Beziehungen ERNA PINNER Antilope Zeicknung Frankfurt a. M.